Bermersheim vor der Höhe liegt im Herzen Rheinhessens und ist der Geburtsort der Hildegard von Bingen. In diesem gemütlichen Ort kümmert sich Familie Hauck mit viel Leidenschaft um die rund 140.000 Rebstöcke auf 28 Hektar Fläche. Dr. Jana Hauck, die Tochter des Vollblutwinzers Heinz Günter Hauck, arbeitet aktiv im Familienunternehmen mit. Wir wollen wissen, wie der Einstieg als Nachfolgerin aussieht und was sie beschäftigt.

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Wusstest du schon immer, dass du dem Familienbetrieb treu bleiben möchtest?

Hauck: Nein, absolut nicht! Während und nach der Studienzeit an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen hat es mich zunächst mal hinaus in die Welt und auch in verschiedene Berufswelten gezogen. Aufenthalte in Kairo, Berlin und Wien waren prägend. So bin ich letztlich über sehr schöne Umwege zurück zum Thema Familienunternehmen, Wein und auch zu meinen Wurzeln gekehrt. Die Umtriebigkeit und Reiselust habe ich auch jetzt nicht verloren, aber ich genieße es auch sehr, jetzt einen Lebensmittelpunkt zu haben.

Was interessiert dich noch neben Wein? Du hast im Bereich Familienunternehmen promoviert. Welche Rolle spielte dabei das Weingut?

Hauck: Momentan widme ich den Großteil meines Lebens dem Thema Wein, was sehr schön ist. Die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben sind da manchmal sehr unklar. Mein Leben lang spielt in meiner Freizeit auch das Musizieren (Klavier und Gesang) eine wichtige Rolle, dem ich momentan etwas zu wenig Zeit einräume. Mein Promotionsthema drehte sich um die Punkte Innovation, Nachfolge und nicht-ökonomische Ziele im Kontext von Familienunternehmen. Retrospektiv habe ich damit auch mein eigenes Leben erforscht.

Welchen Effekt hat es, wenn die jüngere Generation sich einbringt und perspektivisch die Nachfolge bildet. Gibt es da einen Clash zwischen Tradition und Experimentierfreudigkeit?

Hauck: Wenn langjährige Erfahrung und wahnsinnig viel implizites und explizites Wissen der Seniorgeneration mit frischen Ideen und auch neuer Energie der Juniorgeneration aufeinandertreffen, kann das in vielen Fällen einen sehr guten Nährboden für Innovation schaffen. Das war interessanterweise genau einer meiner Forschungsschwerpunkte in der Promotion. Einige Bedingungen sind z.B. die Autoritätsstrukturen zwischen den Generationen – sprich, dass die nachrückende Generation auch den Handlungsspielraum erhält, Neues auszuprobieren.

Das kann ich aus meinem Leben auch auf jeden Fall so bestätigen. Ich schätze mich sehr glücklich, mit meinen Eltern schon seit drei Jahren gemeinsam arbeiten zu können. Wir lernen viel voneinander und blicken in fast allen Dingen in die gleiche Richtung. In den meisten Bereichen habe ich große Handlungsspielräume, in anderen bekomme ich manchmal mehr Leitplanken aufgezeigt – was sich im Nachhinein oft als richtig rausstellt.

Weinhaus Hauck — Über uns

Wie beeinflusst dein Aufenthalt in Neuseeland deine jetzige Arbeit auf ?

Hauck: Mein erster Neuseeland-Aufenthalt direkt nach der Promotionsphase hat mich in eine Sommelierschule geführt, in der ich mich drei Monate am Stück mit Weinen aus aller Welt beschäftigt habe. Das hat eine tiefe Passion für Wein in mir geweckt. Während dieses Aufenthalts hatte ich mich schon um einen Platz als „cellar hand“ in einem neuseeländischen Weingut beworben, weil auch meine Liebe für Neuseeland geweckt wurde. Ein Jahr später durfte ich bei „Rippon“ in Wanaka, Central Otago, drei Monate während und nach der Ernte im Weinkeller arbeiten und viel lernen.

Um ein Beispiel zu nennen – bei Rippon wurde alles spontan vergoren und auch beim Sauvignon Blanc, nicht gerade typisch für Neuseeland, mit Barriqueausbau und langem Hefelager gearbeitet. Einiges davon habe ich bei uns auch so eingeführt.

Du hast eine spannende Initiative gegründet? Was macht ihr genau?

Hauck: Gemeinsam mit zehn Winzerinnen (aus fünf deutschen Anbaugebieten) und fünf Designerinnen haben wir im Jahr 2019 das Projekt „M!LCH“ gestartet, um Gutes zu tun. M!LCH ist in Flaschen gefüllte Girl Gäng-Power, ein Weißweincuvée, dessen Gewinne komplett an discovering hands MTU Forum e.V. gespendet werden. discovering hands bildet blinde und sehbehinderte Frauen in Taktilographie aus, um die frühzeitige Erkennung von Brustkrebs durch Abtasten zu fördern. Hier kann man mehr zu unserem Projekt lesen und selbst was Gutes tun – wo kann man das noch, indem man einfach nur Wein trinkt?

www.trinktmehrmilch.de

Wie kamt ihr auf die Idee?

Hauck: Die Idee ist im wahrsten Sinne des Wortes in einer Weinlaune aufgekommen und wurde dann mit viel Tatendrang und einem tragfähigen Netzwerk zwischen Designerinnen und Winzerinnen aufgegriffen und umgesetzt.

Wie kam der Kontakt unter euch 15 Ladies zustande? Wo habt ihr euch kennengelernt?

Hauck: Die (weinorientierte) Designwelt und die Weinwelt rund um Mainz sind dann doch gar nicht so groß – und die Keimzelle der Truppe hat dann engagierte Kolleginnen angesprochen. Mir macht die Zusammenarbeit mit den anderen M!LCH-Ladies wahnsinnig viel Spaß – mit einem Ziel und viel Engagement wird richtig viel positive Energie freigesetzt.

Was plant ihr in Zukunft für Trinktmehrm!lch?

Hauck: Gerade haben wir (dieses Jahr bei uns im Weingut) den zweiten Jahrgang M!LCH 2019 abgefüllt. Nach dem großen Erfolg und auch dem Spaß, den wir mit der M!LCH 2018 hatten, war ganz klar, dass das Projekt für uns keine Eintagsfliege sein sollte. Wir konnten mit dem ersten Jahrgang 10.000 € an discovering hands spenden, was auch nur durch die Unterstützung vieler Sponsoren für bspw. die Flaschen, Etiketten, Kartons etc. möglich war. Auch dieses Jahr gibt es wieder 1.200 Flaschen M!LCH, die für das Gute abgefüllt wurden. Hier ist die M!LCH 2019 bald erhältlich: www.trinktmehrmilch.de

Vor welchen Herausforderungen stehen Weingüter aktuell? Und wie geht ihr damit auf dem Weingut Hauck um?

Hauck: In Zeiten der Corona-Pandemie stehen wir definitiv vor etlichen Herausforderungen, die – je nach strategischer Ausrichtung des Weinguts – mit signifikanten Umsatzeinbrüchen einhergehen. Der Absatz über Gastronomie und Export sind derzeit tot. Das Privatkundensegment und der Onlinehandel können hingegen durchaus Umsatzzuwächse verzeichnen. Abgesehen davon haben viele Weingüter derzeit die Herausforderung der fehlenden Saisonarbeiter zu meistern.

Die wichtigen Handarbeiten im Weinberg in der Sommersaison sind maschinell nicht zu erledigen. Bei uns persönlich springt beispielsweise der Gastronom, der normalerweise bei unseren Veranstaltungen das Catering macht, ab Mai ein und unterstützt unser festes Team. Ebenso gibt es Unterstützung von Freunden, die in Kurzarbeit sind. Abgesehen von Corona sind der Klimawandel und die Trockenheit schon seit einigen Jahren Herausforderungen, mit denen wir uns im Weinbau und der gesamten Landwirtschaft konfrontiert sehen.

Was zeichnet für dich einen guten Wein aus?

Hauck: Ein guter Wein ist für mich authentisch. Das heißt, er sollte in erster Linie typisch für die Rebsorte(n) sein, aus denen er gemacht ist, und die Region, aus der er stammt. Wichtig ist mir allerdings auch, dass der Wein zum nächsten Schluck animiert, ohne bald langweilig zu werden – also die richtige Balance zwischen Anspruch und Trinkfreude. Abgesehen davon bin ich fest davon überzeugt, dass der Kontext den Weingenuss immens beeinflusst – aber das kennen wir ja bspw. von unseren Weinmitbringseln aus Urlauben.

Was ist dein Lieblingskunstwerk?

Hauck: Ein einziges Lieblingskunstwerk habe ich so nicht. Die meiste Zeit in Museen habe ich vermutlich vor impressionistischen Gemälden verbracht, da kann ich die Zeit richtig vergessen. Und – sehr klischeehaft – sicher auch vor dem Kuss von Gustav Klimt im Belvedere.

Weitere Infos über das Weingut und die Weine gibt es auf www.weingut-hauck.de. Aktuell gibt es spannende Probierpakete verschiedener Art im Angebot.


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