Manincor verkörpert Biodynamie in Südtirol

Manincor – auf Deutsch: Hand aufs Herz. Ein Ort mit Tradition, Geschichte und biodynamischem Wein mitten in Südtirol.
veröffentlicht am 24. Januar 2022
Weingut Manincor

Südtirol – ein Weinanbaugebiet mit Streben nach Qualität

Südtirol ist eines der kleineren Weinanbaugebiete. Mit einer Fläche von gerade mal 5.400 Hektar fällt es weit hinter andere. Trotz seiner relativ kleinen Größe bietet Südtirol ein sehr facettenreiches und vielfältiges Terroir. Die Böden bestehen zu Teilen aus Kalk, Lehm, Vulkangestein – insgesamt findet man über 150 verschiedene Gesteine. Dies und das milde Klima sorgt für die Vielfalt Südtiroler Weine.

Die Winzer vor Ort zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass ihnen Qualität vor Quantität geht. Erfahrung, Handarbeit, Gemeinschaft und Innovation sind die wichtigsten Qualitäten Südtiroler Winzer. Die Zusammenarbeit von Terroir und den Menschen in Südtirol führt zu den einzigartigen Weinen.

Manincor – Das Herz in der Hand

Mitten in diesem Weinanbaugebiet befindet sich das Weingut Manincor. Im Jahr 1608 wurde das Gebäude des Weingutes erbaut. Das Familienwappen ziert die Außenfassade bis heute. Erst 1991, als Graf Michael Goëss-Enzenberg das Gut übernahm, startete die hauseigene Weinproduktion. Daraufhin folgten weitreichende Weinbergsinvestitionen. Der Keller wurde 2004 fertiggestellt. Damit ging einher, dass fortan nichts mehr an die Genossenschaften abgegeben wurde. Kurz danach erfolgte die Umstellung auf den biodynamischen Anbau.

Manincor Wappen mit dem Herzen in der Hand (oben links)

Manincor heißt übersetzt so viel wie „Herz in der Hand“. Der Name des Weingutes hat einen historischen Charakter. Die erste Bauerfamilie, die 1608 mit Weinbau in der Region begonnen hat, war Manincor.

Bis Ende der 80er Jahre überwog der Anbau des bekannten Vernatsch, nicht nur bei Manincor, sondern im gesamten Südtirol. Heute nimmt diese bekannteste Südtiroler Weinsorte nur noch 6% der Produktion am Hof ein. Rebsorten wie Weißburgunder, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Merlot und Pinot Lagrein werden bei Manincor heute vorwiegend angepflanzt.

Anbau und Ausbau im Zeichen der Biodynamie

Was heißt überhaupt biodynamisch? Kurz erklärt: Weine, die als biodynamisch bezeichnet werden, sind im Einklang mit der Natur produziert. Um die natürlichen Kreisläufe der Natur zu bewahren, werden vor allem die zyklischen Mondphasen für den „richtigen“ Weinbau verwendet. Im Detail meint das, dass der Weinanbau, die Weinlese und die Arbeiten im Keller nach diesen Mondphasen ausgerichtet ist. Orientiert wird sich dabei an der sogenannten „Anthroposophie“ nach Rudolf Steiner, die eine spirituelle Weltanschauung bezeichnet.

Biodynamie und kompromisslose Qualitätsarbeit in den Weingärten und im Keller kennzeichnen unseren Weg. Mit großem Respekt vor Mensch, Tier und Pflanze arbeiten wir ganzheitlich, nachhaltig und zukunftsorientiert. Dafür nutzen wir zeitgemäße Technologien. Unser großes Ziel ist es, natürliche Kreisläufe wiederherzustellen und zu erhalten.

Manincor auf ihrer Webseite

Seit der Umstellung auf Biodynamie hat sich das Qualitätsstreben und die Philosophie Manincors verbessert. Dabei wird heute vor allem auf die Qualität des Weines statt auf die Quantität gesetzt.

Der Einfluss des Klimawandels

Der Klimawandel geht uns alle etwas an, natürlich auch die Weinbauern von Manincor. Im Weinanbau musste Manincor sich allerdings noch nicht großartig umstellen. Dem Einfluss von beispielsweise heftigeren Hägelschlägen wird durch die Nutzung von Schutznetzen entgegen gehalten. Laut Manincor passen sich die Reben auch bis zu einem gewissen Punkt an. Das ist auch gut so, denn eine Umstellung geht meist nicht so schnell. Die Lese verschiebt sich alle 10 Jahre um eine Woche nach vorne. Manincor bleibt zuversichtlich: „Der Weinbau in der Region wird noch lange bleiben“.

Ein Blick in den Keller

Hier reifen die Weine im Holz. Klassische Musik wird gespielt. „Wenn uns Menschen die Musik gut tut, warum dann nicht auf den Weinen?“ Auch hier kommt der biodynamische Charakter zum Tragen. Der Keller wurde von 2002 bis 2004 ausgebaut und fertiggestellt. Alles wurde in den Hang hinein gebaut, sodass es von außen nicht sichtbar ist. Das Haus und die Weinberge sollten die Fläche bestimmen, nicht der Keller selbst. Zum Teil wurde der Hang mit Reben bepflanzt, was energetisch sinnvoll ist. Durch den Bau in den Hang hinein, bleibt der Weinkeller das ganze Jahr über gekühlt, damit nicht zusätzlich nachgeholfen werden muss. Über drei Stockwerke erstreckt sich der Keller, mit komplexen Rutschensystemen und Gefällen.

Die Weinfässer sind bewusst aus Holz, genauer gesagt aus 100 prozentiger Eiche, gefertigt. Man setzt gezielt auf Holz. Zum einen ist das Holz hart, da es langsam wächst. Es gibt Gerbstoffe an den darin gelagerten Wein ab und lässt die Reife des Weins zu, allerdings nicht zu schnell. Toasting spielt eine untergeordnete Rolle. Ein Drittel der verwendeten Eiche besteht sogar aus dem eigenen Wald und somit aus der Region.

Probieren in entspannter Atomsphäre

Der Kontrast zwischen Moderne und Klassik wird auch beim Blick auf die Vinothek sichtbar. Diese wirkt offen, großräumig und ist mit viel Holz gebaut. Die offene Glasfront bietet einen Blick auf die Alpen und den Kalterer See direkt vor der Tür.

Einige Flaschen und Gläser findet man im Regal. Ansonsten ist der Raum sehr modern und schlicht gehalten. Der Fokus liegt ganz klar beim Wein.

Ganz eigene Anforderungen an den Wein

Durch die Besonderheit der Biodynamie stellt Manincor ganz eigene Anforderungen an den Wein.

Der Wein muss ein sinnliches Erlebnis sein.

Kellermeister Helmuth Zozin

Die hohe Qualität des Weins spielt sich beim Weinanbau im Weinberg ab. Das Terroir, der Hang, die Arbeit, die dahinter steckt und der Weinstil spielen dabei die wichtigste Rolle für den Kellermeister Helmuth Zozin. Manincors Stil ist es, die Balance und Harmonie der Natur zu suchen. Außerdem wird vor allem auf den langsamen Reifprozess gesetzt. „Alles hat einen Einfluss“, so Zozin. Bei Manincor wird darauf geachtet, dass keine Reinzuchthefe verwendet wird, wenn überhaupt wird ausschließlich mit ein bisschen Schwefel gearbeitet.

Darüber hinaus ist Manincor ein Mitglied einer biodynamischen Gruppe mit über 20 weiteren Winzern. Im Weinberg wird dabei vor allem auf die Biodiversität geachtet, frei nach dem Motto: Je kräftiger das System, desto besser der Wein. Von Begrünungen, über die Haltung von Schädlingen und Nützlingen achtet Manincor darauf, die natürlichen Kreisläufe beizubehalten.

Wo gehen die Weine hin?

Circa ein Drittel der Weine geht in den Export in über 40 Länder. Deutschland ist dabei klar der wichtigste Abnehmermarkt. Rund 40 000 Flaschen der insgesamt 120 000 Flaschen, die jährlich produziert werden, finden ihren Weg nach Deutschland. Insgesamt machen Deutschland, die USA und die Benelux-Staaten 80% des Exportvolumens aus. Die Hälfte geht in die Gastronomie. Natürlich gibt es bei Manincor aber auch viele private Stammkunden, die seit Jahren Gefallen an dem Wein finden.

Bei diesen großen Exportmengen, vor allem in die Gastro, ist es auch nicht verwunderlich, dass durch die Corona-Pandemie ein gewisser Einbruch vermerkbar war. Davor war der Wein monatelang ausverkauft, durch Corona war dies nicht mehr der Fall. Doch auch hier bleibt der Kellermeister optimistisch. Schließlich hat man mit Wein kein Produkt, das ein Verfallsdatum hat. So hat man laut Zozin, „den Wert eben im Keller als auf der Bank“. Alle Weine sind so ausgebaut, dass man sie problemlos zehn Jahre im Keller lagern kann.

Aber auch bei der Lese hatte die Corona-Krise einen Einfluss. So hatte man 2020 viel weniger Helfer, die normalerweise aus Rumänien eingereist wären. In diesem Jahr setzte man stattdessen auf einheimische Helfer. Die Lese fand dadurch bedingt trotzdem langsamer und damit länger statt. Aufgrund der Höhenunterschiede der verschiedenen Lagen, konnte die Lese jedoch zeitversetzt gut geplant werden.

Die Weine

Die Weine von Manincor sind etwas wirklich besonderes. Das Holz ist stets präsent, jedoch ohne dabei zu stark aufzufallen. Ob als Speisbegleitung, oder für einen Abend voller Genuss – wer südtiroler Biodynamie schmecken möchte, ist bei Manincor genau an der richtigen Adresse. Die Weine verkörpern nicht nur das Terroir und den Ausbau, sondern vor allem auch eine gewisse Ruhe: Zeit zum Genießen für uns und Zeit für den Wein, um sich vollkommen entwickeln zu können.

Damit eignen sich die Flaschen hervorragend für den eigenen Weinkeller oder als Geschenk ohne Ablaufdatum. Wer in den Genuss kommen möchte, wird im eigenen Onlineshop fündig. Hier gibt es unter anderem auch Probierpakete.

Graf Michael Goëss-Enzenberg & Helmuth Zozin – Foto: manincor.com

ÜBER DEN AUTOR


Marius Greb
Katrin Petermann
Redakteurin des Art & Wine Magazine - Katrin Petermann ist in den letzten Zügen ihres Germanistik Studiums und hat darüber hinaus schon immer ein großes Interesse an Sprache und Literatur. Im Rahmen des Art & Wine Magazine ist sie als Redakteurin tätig.

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