In der Finanzwelt wird Kunst als sogenanntes „Alternative Investment“ klassifiziert – also eine Alternative zu den klassischen Anlagen wie Aktien oder Anleihen. SpĂ€testens seit 2017 Leonardo da Vincis verlorenes GemĂ€lde „Salvator Mundi“ fĂŒr ĂŒber 450 Mio. Dollar den Besitzer wechselte, wurde vielen klar, welches Potential in Kunstinvestments steckt. Worauf muss man beim Investieren achten, wo kauft man die Werke am besten und welche Trends zeichnen sich ab? Art & Wine klĂ€rt auf!

Salvator Mundi“ von Leonardo da Vinci: Teuerstes GemĂ€lde der Welt ...

Der Kunstmarkt

Neben Uhren und Oldtimern zĂ€hlt man auch Kunst zu den sogenannten LiebhabermĂ€rkten. Dabei sind meist die Anzahl an VerkĂ€ufern und KĂ€ufern (Angebot und Nachfrage) wesentlich geringer als beim klassischen Kapitalmarkt. Ein Grund hierfĂŒr sind die Voraussetzung fĂŒr den Handel. Es sind Know-How und das nötige Kapital gefragt. Dass man sehr tiefe Taschen haben muss, um Kunstwerke zu erwerben, ist allerdings ein Trugschluss. Aber lohnt sich der Einstieg in den Kunstmarkt ĂŒberhaupt?

Ein Blick auf den Index schafft Klarheit. Zwischen 2000 und 2018 hat der Kunstindex Artnet eine jĂ€hrliche Rendite von ca. 8% erwirtschaftet. Im Vergleich dazu schaffte es der Nordamerikanische Aktienindex S&P 500 auf nur ca. 3%. Ein nĂ€herer Blick zeigt, dass sich die traditionelle chinesische Kunst und die Kunst der Nachkriegszeit besonders gut entwickelt haben. Chinesische KĂ€ufer haben auch wiederholt Auktionspreisrekorde gebrochen, und das Land beheimatet sieben der zehn grĂ¶ĂŸten AuktionshĂ€user der Welt, gemessen an den Einnahmen.

Art & Finance Report 2019 – Deloitte

Wer gut streut, rutscht nicht. So kann Kunst eine geeignete Alternative zu Gold sein, da sich der Kurs Àhnlich zum Goldpreis bewegt und somit auch eine Art Inflationsschutz bietet.

Deloitte Luxembourg und das Kunstmarktforschungsunternehmen ArtTactic haben im Bericht Art & Finance Report 2019 weitere spannende Fakten. Den detaillierten Bericht finden Sie hier: https://www2.deloitte.com/de/de/pages/mittelstand/contents/art-finance-report.html

Worauf sollte man beim Erwerb von Kunst achten?

Ein paar Tipps, die man beachten sollte:

  • Hausaufgaben machen und Preise vergleichen. Sowohl vom gewĂŒnschten Kunstwerk als auch von Ă€hnlichen Werken.
  • Ein Limit fĂŒr den eigenen Kaufpreis setzen.
  • Jeder Preis ist verhandelbar. Daher nicht davor scheuen, den Preis zu drĂŒcken.
  • Kunstberater hinzuziehen, sollte das Wunschobjekt von keiner seriösen Quelle angeboten werden.
  • Jeden Schritt dokumentieren. Das ist wichtig, um spĂ€ter bei einem etwaigen Verkauf die Herkunft nachzuweisen. Auch beim Thema FĂ€lschungen sollte man daher alles grĂŒndlichst festhalten.

Hier gibt’s weitere Tipps wie man sich eine Kunstsammlung aufbaut. Kunstsammlung starten

Was sind die wichtigsten Trends?

Laut dem Bericht von Deloitte gibt es drei große Trends: Social Impact Investing, Technologie und Regulierung.

Ähnlich wie in der Finanzindustrie wird nun auch im Kunstbereich mehr Wert auf Social Responsibility gelegt. Investoren suchen daher vermehrt nach Anlagen, die einen positiven sozialen Nutzen stiften. Große AuktionshĂ€user oder Vermögensverwalter rĂŒcken Ihren Fokus auf die vom Kunden gesuchte Philanthropie. Auch KĂŒnstler haben erkannt, dass die Nachfrage steigt und

Social Impact (CSR)| Definition & Meaning | Optimy Wiki

Die Digitalisierung greift um sich und erreicht auch den Kunstmarkt. So gibt es mittlerweile verschiedene digitale Kunstbörsen und der Handel von Kunstobjekten soll mit Hilfe der Blockchain-Technologie sicherer und effizienter werden. Durch die Tokenization werden die Rechte des Kunstwerks digital verpackt und bepreist. Dies könnte ganz neue TĂŒren öffnen und den Marktplatz auch fĂŒr die breite Gesellschaft zugĂ€nglicher machen.

Diese Technologie und der internationale Handel sind auf Grund von einigen Gefahren auf Transparenz angewiesen. Um diese zu erreichen, mĂŒssen Standards her, welche Regulierungen voraussetzen. So arbeiten Museen, AuktionshĂ€user und HĂ€ndler gemeinsam mit staatlichen Behörden an den rechtlichen Strukturen.

Gefahren lauern ĂŒberall

Der Kunstmarkt hat schon hĂ€ufiger unter FĂ€lschungen und Nachahmungen gelitten, und es gibt laut Deloitte auch Zweifel an der GlaubwĂŒrdigkeit mancher Zahlen. In dem Film „Beltracchi – Die Kunst der FĂ€lschung“ wurde schön dokumentiert, wie ein Mann es geschafft hat, den internationalen Kunsthandel zu tĂ€uschen. Gerade fĂŒr Laien auf diesem Gebiet ist die Gefahr groß, dass man versehentlich eine FĂ€lschung kauft, indem man vermeintlich ein SchnĂ€ppchen macht.

MeisterfÀlscher Wolfgang Beltracchi: «Ich bin einfach der Beste ...
MeisterfĂ€lscher Wolfgang Beltracchi mit seiner Frau – Handelszeitung.ch

Wie kann man investieren?

Kunstfonds

Knapp eine Milliarde Dollar verwalten die Kunstfonds – das ist immer noch ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber sie sind im aktuellen Wirtschaftsklima als alternative Anlageklasse immer beliebter geworden. Besonders stark ist das Wachstum in China.
Sie funktionieren wie private Investmentfonds: Anleger, die in der Regel mit einem Berater zusammenarbeiten, legen Geld an, und ein professionelles Team erwirbt die Kunstwerke.

Einige Kunstfonds versuchen, Werke in Museen zu platzieren, um ihre Provenienz zu verbessern und ihren Wert zu steigern. Einige konzentrieren sich auf ein einziges Medium, wÀhrend andere, wie der bekannte Fine Art Fund in London, stark diversifiziert sind.

Vorteil: Es gibt eine niedrige Eintrittsbarriere, da die Mindestinvestitionen oft weniger als ein einzelnes Kunstwerk betragen und sich die Anleger nicht um die mit dem Besitz von Kunstwerken einhergehenden Fragen wie Versicherung und Unterhalt kĂŒmmern mĂŒssen. Nachteil: Nicht alle Fonds werden gut verwaltet. Vor einer Investition ist Due Diligence erforderlich.

Über die Börse kaufen

Über die Börse kann man sehr bequem indirekt in Kunst investieren. Börsennotierte Unternehmen wie Artnet, Artprice oder Weng Fine Art.

Vorteile: Einfacher Einstieg, geringe Transaktionskosten und einfache VerĂ€ußerung jederzeit ĂŒber die Börse möglich. Nachteile: Kein Direktinvestment und Unternehmensrisiken.

Messen

Kunstmessen sind zu einem globalen PhÀnomen geworden. Messen wir die Art Basel sind heute nicht mehr weg zu denken. Hier kann man direkt mit HÀndlern sprechen, sich informieren und bei Interesse die Werke erwerben.

Vorteil: Direktinvestment und direkter Kontakt mit den KĂŒnstlern und HĂ€ndlern. Nachteile: Örtliche Gebundenheit und kurzfristiger Hype.

File:New Artist Fair Artists and Visitors.jpg - Wikipedia

Berater fragen

Wenn man sich nicht schlĂŒssig ist und keine Zeit hat, um sich tiefgehend mit den Objekten zu beschĂ€ftigen, sollte man einen professionellen KunsthĂ€ndler konsultieren.

Vorteil: Gute Expertise, um sich ausreichend zu informieren. Nachteil: Meist sehr kostspielig.

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Investment Partnerschaft

Schließen Sie sich einer privaten Investitionspartnerschaft an – oder grĂŒnden Sie Ihre eigene. Partnerschaften sind Gruppen, die ihr Geld zusammenlegen, um mit der gemeinsamen Expertise Kunst zu kaufen. Sie sind kleiner und informeller als Kunstfonds.

Vorteil: Anders als bei einem Kunstfonds haben die Anleger viel mehr ein direktes Mitspracherecht bei dem, was die Gruppe kauft. Nachteil: Sie sind privat, und wenn Sie nicht die richtigen Leute kennen – oder eine eigene Gruppe grĂŒnden wollen – werden Sie nicht unbedingt in der Lage sein, einer solchen beizutreten. Und wenn die Gruppe nicht einen klugen Berater hat oder ein Mitglied, das wirklich weiß, was es tut, besteht die Gefahr, ein Werk zu kaufen, das tatsĂ€chlich an Wert verliert.

Aufstrebende KĂŒnstler

Wenn Sie eine Kunstsammlung aufbauen möchten, aber nicht bereit sind, Millionen von Dollar auf die Meister abzuwerfen, sollten Sie in Betracht ziehen, in Werke von aufstrebenden KĂŒnstlern zu investieren. Wenn KĂŒnstler in höherwertige Galerien wechseln, ist das ein Zeichen dafĂŒr, dass der KĂŒnstler auf dem richtigen Weg ist.

Vorteile: Niedrigere Preise und enormes Wachstumspotenzial. Nachteil: Es gibt keine Kristallkugel, und man weiß nie, wer floppt.