Kinderkrebshilfe und die Kunsttherapie

„Es hilft, Dinge auszudrücken, die man mit Worten nicht ausdrücken kann." Cordula Dreisbusch und Stefanie Stroh über die Kunsttherapie
veröffentlicht am 16. Mai 2021

In der Vergangenheit haben wir bereits über die positiven Effekte vom Malen berichtet. Neben Stressabbau und der neuronalen Fitness kann das Ausüben einer künstlerischen Tätigkeit auch als Instrument in der Therapie dienen. Cordula Dreisbusch begleitet seit einigen Jahren Eltern krebskranker Kinder. Im Rahmen des Vereins Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt e.V. leitet sie Gruppen für betroffene Eltern in der Kunsttherapie.

Helfen, Heilen, Forschen

Mit dem Motto Drei gegen Eins setzt sich der Verein Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt e.V. gleich in dreierlei Hinsicht ein. Seit knapp 40 Jahren unterstützt der Verein betroffene Kinder, deren Geschwister und Eltern und die Forschung. Mit einem Spendenaufgebot von über 5 Millionen Euro pro Jahr und zahllosen Stunden des Ehrenamts leistet der Verein einen immensen Mehrwert für die gute Sache.

Die Hilfe erstreckt sich über Wohneinrichtungen in der Nähe des Universitätsklinikums Frankfurt, Beratungsgruppen für Jugendliche und Eltern, verschiedene Arten der Therapien bis hin zum Angebot von Ferienwohnungen an der Ostsee, um von der Krankheit mal Abstand nehmen zu können. Des Weiteren gibt es viele gemeinsame Treffen, Veranstaltungen und Aktivitäten, die den Austausch fördern und ein Gefühl der Gemeinschaft vermitteln.

Die enge Zusammenarbeit zwischen dem Universitätsklinikum Frankfurt und dem pädiatrischen Stammzelltransplantationszentrum sorgt für die bestmögliche Behandlung der krebskranken Kinder. Dazu zählt auch die psychologische Betreuung der Kinder und Eltern. Der Verein unterstützt die Einrichtungen finanziell, damit beispielsweise zusätzliches Personal eingestellt werden kann oder teure Gerätschaften angeschafft werden können. Sogar im Sportbereich stellt der Verein ein Angebot zur Verfügung, da Sport einen positiven Einfluss auf die Heilung hat.

Auch in der Forschung engagiert sich der Verein. Das Kinderonkologische Zentrum und das Stammzelltransplantationszentrum (SZT-Zentrum) dürfen sich über Finanzierungshilfen für wissenschaftliche Forschungsprojekte freuen. Dass die Überlebensrate krebskranker Kinder auf mittlerweile 80% gestiegen ist, ist den Forschungserfolgen der letzten Jahre zu verdanken. Die Investition in Forschung und Bildung ist somit ein wichtiges Anliegen für den Verein.

Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt - Drei gegen eins

Die Kunsttherapie und die Kraft des Malens

In der Kunsttherapie geht es um die Bewältigung von Trauer und um die Gemeinschaft. Man realisiert, dass man nicht alleine ist. Die kreativen Stunden bieten Zeit, um Dinge zu verarbeiten. Das Angebot ist vielfältig und gut strukturiert. Gerade in solchen schweren Phasen gibt die Struktur Sicherheit. „Wir fangen pünktlich an und hören pünktlich auf. Es geht darum, die Menschen abzuholen und einen Boden zu bereiten.“, berichtet die Kunsttherapeutin Cordula Dreisbusch. Sie hat wie die Teilnehmer selbst ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen. Sie leitet die Gruppen und kümmert sich um das vielfältige Angebot. Es werden verschiedene Techniken praktiziert und es wird mit diversen Materialien gearbeitet – Papier, Leinwände, Steine, Pastell, Öl oder Acrylfarben.

„Ich weiß, was Malen bedeutet. Es hilft, Dinge auszudrücken, die man mit Worten nicht ausdrücken kann, weil es die Worte nicht gibt. Die werden gemeinsam gefunden. Es ist ein heilsamer Prozess in der Gemeinschaft. Wenn man sich öffnet, entstehen Gespräche, die sonst nicht so entstehen würden. Die Arbeit liegt mir daher am Herzen.“, so Cordula Dreisbusch.

Stefanie Stroh ist heute im Vorstand des Vereins tätig und berichtet über ihre Erfahrung als Teilnehmerin an der Kunsttherapie. „Ich bin ganz unbedarft in die Maltherapie gegangen. Es war eine solche Offenbarung. Man trifft Leute, mit denen man eine Erfahrung gemeinsam hat. Man trifft sich auf Augenhöhe. Es geht um das verlorene Kind, die Trauer und die eigene Seele. Jeder hat eine Geschichte erzählt, die er sonst keinem erzählt. Über einfachste Mittel wird eine Ruhe geschaffen. Schon da löst sich ganz viel – es entwickelt sich. Man geht nach Hause und hat etwas Seelenfrieden gewonnen. Es geht einem definitiv besser.“

Die Kunstwerkstatt ist ein regelmäßiges Angebot im Familienzentrum. Das Angebot kann in einer Gruppe oder alleine wahrgenommen werden und richtet sich sowohl an Mütter wie auch Väter. „In der Vergangenheit waren es eher die Mütter, die sich auf den Weg gemacht haben. Heute stelle ich einen Wechsel fest. Immer mehr Väter nehmen teil und suchen nach Unterstützung und Begleitung.“, freut sich Cordula Dreisbusch.

Der Trauerfarbkreis – ein Gemeinschaftsprojekt

Das Gefühl, nicht mehr alleine oder einsam zu sein, entsteht in der Gruppe und hilft den betroffenen Teilnehmern enorm. Es entwickelt sich ein Kreis, aus dem auch langfristige Freundschaften entstehen. Es geht um das gemeinsame Tragen und Ertragen.

„Ich bin nicht die Künstlerin vorm Herrn. Aber ich bin stolz darauf, was ich hier künstlerisch zum Ausdruck bringen konnte.“, schildert Stefanie Stroh und präsentiert ihr Werk Ewigkeit, unser erster Urlaub ohne Dich.

Ewigkeit, unser erster Urlaub ohne Dich, Acryl auf Papier

„In der Zeit, in der wir malen, gibt es Phasen, in denen die Tränen fließen. Das geht auch nur, weil wir in einem geschützten Raum sind und man weiß, dass es einem im Anschluss wieder besser geht. Die Gruppen sind so konzipiert, dass sich ein Vertrauen entwickelt. Man lacht und weint gemeinsam mit Menschen, mit denen man im normalen Leben sonst nichts zu tun hätte. Aber die Erfahrung verbindet und lässt einen sich öffnen für tiefe Gespräche. So tief kann man sonst nicht kommen.“, erzählt Stefanie Stroh.

Kinderkrebshilfe Trauerfarbkreis, Kunsttherapie
Der Trauerfarbkreis besteht aus 10 Teilen. Es ist eine schöne Symbolik für die Gemeinschaft und das Vertrauen.

Die Werke der Teilnehmer der Kunsttherapie werden im Haus am Dom in Frankfurt ausgestellt. Zu den einzelnen Werken haben die Künstler ein paar Worte geschrieben, wodurch das Bild näher erläutert wird. Das macht jedes der Bilder individuell ausdrucksstark. Die Kombination von Text und Bild schafft eine starke Botschaft. Des Weiteren ist es ein Zeichen der Öffnung zu einem schwierigen Thema.

Jeder Euro hilft

Der ehrenamtliche Verein freut sich über jegliche Unterstützung – ob von Dauerspendern, Fördermitgliedern oder ehrenamtlich Engagierten. Es gibt viel zu tun und jeder Euro, der dem Verein zufließt, ist gut investiert in die drei Bereiche Helfen, Heilen und Forschen. Spenden können Sie direkt an:

Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt e.V.
IBAN: DE98 5005 0201 0000 6200 50
BIC: HELADEF1822
Frankfurter Sparkasse

Auch das Folgen über die sozialen Kanäle hilft dem Verein weiter, um die Arbeit nach außen zu tragen.

ÜBER DEN AUTOR


Marius Greb
Marius Greb
Geschäftsführer von Art & Wine Magazine - Nach einigen Jahren im Finanzwesen wechselte Marius Greb die Branche und befasst sich heute mit Kunst und Wein. Vor dem Start von Art & Wine Magazine startete er Entkorkte Kunst - eine Kombination aus Wein- und Malabenden.

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