Bekannt ist die Deutsche Bank als eine der größten Finanzdienstleister der Welt. Wer allerdings schon mal in den Räumen der Bank war, der weiß, dass sich die Bank auch im Kunstbereich engagiert. Viele Besprechungsräume an den großen Standorten der Bank sind nach Künstler*innen benannt, deren Kunstwerke die Wände zieren. Beeindruckend, wenn man bedenkt, dass es bei Banken hauptsächlich um Finanzen geht.

Wie kam es dazu? Welche Rolle spielte Joseph Beuys? Welchen Effekt hat die Kunst auf die Bank? Wo geht die Reise hin und wie geht man mit den neuen Herausforderungen der Zeit um? Friedhelm Hütte, Global Head of Art und Britta Färber, Chefkuratorin der Bank, geben Antworten auf die Fragen und ermöglichen exklusive Einblicke in den Kunstbereich der Bank.

Startschuss für die Kunst

Vor 40 Jahren beschloss der Vorstand der Bank, sich im Bereich der zeitgenössischen Kunst zu engagieren. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch kein richtiges Konzept. Die Entscheidungen basierten überwiegend auf dem persönlichen Geschmack. Auch fanden sich die Kunstwerke vorwiegend in repräsentativen Räumlichkeiten der Bank wieder. Die Förderung von jungen Künstler*innen stand dabei jedoch schon früh im Mittelpunkt. Außerdem konzentrierte sich die Bank auf Papierarbeiten, also Zeichnungen und Fotografien. Auf dem Investment-Gedanken sollte und soll auch heute weiterhin kein Fokus liegen.

„Das Engagement zeichnet sich nicht durch die Wertsteigerung der Kunstwerke aus. Es geht um die Förderung, die Gestaltung und die Denkanstösse. Trotzdem freuen wir uns natürlich über den Wertzuwachs der Werke.“, so Britta Färber. Die positive Entwicklung resultiert daraus, dass früh gekauft wurde und der Fokus auf den richtigen Künstler*innen lag. „Ein Zeichen für die Expertise und die gute Arbeit der letzten Jahre. Das Geld für die Kunst wurde sinnvoll ausgegeben – auch aus der Sicht der Aktionäre.“, fügt Friedhelm Hütte hinzu.

Gerhard Richter, 10.4.88, 1988. © Gerhard Richter 2014

Ein prägender Moment für die Bank war die Begegnung des damaligen Vorstandsmitglied Herbert Zapp mit Joseph Beuys in Düsseldorf. Man nahm sich der Gesellschaftskritik des Künstlers an und lud ihn in die Bank ein. Der Austausch bestärkte die Deutsche Bank in der Entscheidung, ihr Kunstengagement auszuweiten. „Ich freue mich, dass mir Beuys jeden Tag auf dem Weg zu meinem Arbeitsplatz in Frankfurt begegnet“, sagt Britta Färber und deutet auf das große Bild von Beuys im Eingangsbereich der Bankzentrale.

Joseph Beuys von Gavin Turk im Foyer der Deutsche Bank-Türme
© Live Stock Market Ltd, Foto: Frank Marburger & Klaus Helbig

Mit der Zeit konnte die Bank neben der Sammlung auch eine umfangreiche Artothek aufbauen, bei der sich die Mitarbeiter Kunstwerke für ihre Räumlichkeiten aussuchen können. Die Kunst ist für die Öffentlichkeit, die Kunden und die Mitarbeiter der Bank zugänglich, so das Konzept. Dieses Angebot trifft auf großen Zuspruch, da fast alle Niederlassungen mit Kunstwerken ausgestattet sind.

Mittlerweile zählt die Sammlung der Deutsche Bank mehr als 50.000 Werke mit einer namenhaften Dauerleihgabe von 600 Werken an das Städelmuseum in Frankfurt. Des Weiteren wurden schon über 150 Ausstellungen eröffnet und erfolgreiche internationale Partnerschaften aufgebaut.

Sammlung Deutsche Bank im Städel

Aktive Kaufentscheidung

Der Erwerb der Kunstwerke durch die Deutsche Bank hilft Künstler*innen im Ansehen, da die Bank mittlerweile als renommierte Kunstsammlerin einen hohen Stellenwert genießt. Gleichzeitig verhilft die Öffentlichkeitsarbeit den Künstler*innen somit zu einem höheren Bekanntheitsgrad ihrer Kunstwerke. Der aktive Kauf der Werke signalisiert bereits ein gewisses Engagement, das nicht im Sinne eine Sponsorings gleicht kommt.
Gleichzeitig wird dadurch eine Plattform geschaffen, die unterschiedliche Aktivitäten für verschiedene Bereiche der Bank ermöglicht. Mitarbeiter und Kunden können teilhaben und unvergessliche Kunsterlebnisse genießen.

Die vier Säulen des Kunstengagements

1. Die Sammlung

Im Besitz der Sammlung befinden sich über 50.000 Kunstwerke, welche weltweit in den Standorten der Bank zu sehen sind. „Unsere Kunst soll sichtbar sein“, betont Friedhelm Hütte.

So sind die zwei Türme der Deutsche Bank in Frankfurt am Main nicht nur Hauptsitz, sondern auch Ausstellungsort für 2.000 Kunstwerke, verteilt auf 60 Etagen. Mit der Kernsanierung der beiden Türme wurde das Gebäude energieeffizient und das Kunstkonzept wurde komplett neu gestaltet. Wo früher hauptsächlich deutsche Künstler nach 1945 zu finden waren, wurde nun der Fokus auf die Internationalität gelegt, entsprechend der weltweiten Ausrichtung der Bank. Jede Etage ist einem anderen Künstler*in gewidmet.

Art Wall im Foyer der Deutsche Bank-Türme
Foto: Martin Joppen Photographie GmbH

Die geografische Herkunft der Künstler*innen ist sorgfältig ausgewählt und spiegelt gleichzeitig das weltweite Engagement der Bank wider. Passend hierzu finden sich in den jeweiligen Regionen verschiedene Themen wieder. So wird im Raum Asien/Pazifik das Thema der Globalisierung behandelt. Amerika sieht Nord- und Südamerika als ein Gebiet, in dem auch Kanada und Lateinamerika stärker zum Vorschein kommen. In Afrika werden Klischees hinterfragt und in Europa geht man auf Entdeckungsreise nach neuen Regionen.

Deutschland gilt als eigenständige Region, da hier der Hauptsitz der Bank ist. Werke von Joseph Beuys und Gerhard Richter zählen zu den Klassikern, die nun Platz gemacht haben für das Thema Generationswechsel, wo jüngere Künstler*innen präsentiert werden.


Wie erwähnt, liegt der Fokus der Sammlung auf dem Medium Papier. Fotografien, Grafiken und Papierarbeiten sind ein Medium für Ideen und Inspiration. Da die Kunst zum Dialog einladen soll, legt man Wert auf eine gewisse gesellschaftliche Relevanz. „Die ausgewählten Kunstwerke sind neuartig in ihrer Form, Sprache, Inhalt oder Technik. Sie sind visionär und geben auch mal kontroverse Denkanstöße.“, erklärt Hütte. Das Ergebnis weckt die Neugier. Man möchte mehr über den Künstler erfahren.

Exemplarisch für das Etagenkonzept ist der 37. Stock im B-Turm in der Frankfurter Zentrale. Hier hat man nicht nur einen hervorragenden Blick auf die Stadt Frankfurt und den Taunus, sondern man befindet sich auch in der Ausstellung von Tokihiro Sato. Der Japaner arbeitet mit Lichtkunst und kreiert in verschiedenen Umgebungen Fotografien mit Lichteffekten.


Neben dem Etagenkonzept gibt es in den Veranstaltungsräumen weitere Kunstwerke zu besichtigen. So z.B. die kontroversen Fotografien des mexikanischen Künstlers Gabriel Orozco. Mit Bezug auf die Umweltverschmutzung dokumentiert Orozco vom Meer angespülte Gegenstände, die er exemplarisch sortierte. Dazu zählen auch vom Meer angespühlte Klopapierrollen, welche eher Gesteinsbrocken ähneln. Vielleicht ein Zeichen dafür, dass die Natur sich wehrt.

Neben den zwei Frankfurter Türmen findet sich die Kunst auch in anderen Gebäuden der Deutsche Bank. Der Deutsche Bank Campus eröffnete 2017 in Frankfurt und ist Ausstellungsort für weitere 700 Werke aus der Sammlung.

In Einzelfällen veräußert die Bank auch Werke aus ihrer Sammlung. Friedhelm Hütte: „Was wir an Quantität abgeben, gewinnen wir in Qualität. Dubletten werden zuerst reduziert und durch den Erwerb von Werken aufstrebender Künstler ersetzt.“. Dies ist ein laufender Prozess, der eine gewisse Expertise voraussetzt.

2. Eigene Ausstellungen

Das Engagement der Bank für Kunst findet auch außerhalb der Niederlassungen statt. So kürt die Deutsche Bank jedes Jahr den „Artist of the year“. Eine kurze Vorstellung der Preisträger*innen der letzten 10 Jahre finden Sie im Video.

3. PalaisPopulaire

Unter den Linden 5 in Berlin ist eine Adresse mit viel Historie. Damals noch als Prinzessinnenpalais bekannt, ist das PalaisPopulaire heute ein Forum für Jung und Alt sowie für Kunst, Kultur und Sport. Der Standort Berlin ist bedacht gewählt. Hier wurde 1870 die Deutsche Bank gegründet. Heute bildet das Palais kulturell den Gegenpart zum Hauptsitz, den beiden Türmen, und gleichzeitig die Achse Berlin-Frankfurt.

Palais Populaire

In Zusammenarbeit mit Ingrid und Thomas Jochheim werden aktuell Werke des kürzlich verstorbenen Künstlers Christo und Jean-Claude ausgestellt. Etwas besonderes – wenn man bedenkt, dass viele diese Werke aus dem Privatbesitz stammen und nun öffentlich ausgestellt werden. Wer mehr erfahren möchte, findet auf der Internetseite des Palais Populaire weitere Informationen.

4. Partnerschaften

Um die Werke der Öffentlichkeit nicht vorzuhalten, präsentiert die Deutsche Bank in Kooperation mit diversen Museen oder Stiftungen verschiedene Ausstellungen. Des Weiteren hat die Deutsche Bank mit einer Dauerleihgabe von über 600 Werken eine Partnerschaft mit dem Städel in Frankfurt aufgebaut.

Die international renommierte Kunstmesse Frieze kann ebenfalls auf die Deutsche Bank zählen. Hier engagiert sich die Bank bereits seit mehreren Jahren als Partner – in London, Los Angeles und New York.

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deutschewealth.com

„Es geht darum, gemeinschaftlich wichtige Ausstellungen zu präsentieren und gesellschaftlich relevante Themen aufzugreifen. Die Zusammenarbeit mit Museen und Kunstmessen ist ein Miteinander und kein Wettbewerb. Durch unsere Sammlung und unser Engagement sind Kooperationen immer für beide Seiten interessant.“, erläutert Friedhelm Hütte.

Synergien entwickeln sich

Die Entwicklung der Bank über die Jahre spiegelt sich sehr schön im Kunstengagement wider. Mit der globalen Ausdehnung ihres Bankgeschäfts wurde nicht nur die Bank, sondern auch die Kunst breiter aufgestellt. Internationale Künstler*innen werden seitdem gefördert und regelmäßig ausgestellt.

Skulptur von Anish Kapoor, Gemälde von Damien Hirst Im Foyer des Winchester House,
Deutsche Bank, London © Richard Bryant, Arcaid

Auch wenn das primäre Ziel in der Förderung von Kultur liegt, stößt die Kunst gerade bei Wealth Management Kunden auf großes Interesse. So kann ein Besuch einer Ausstellungen zu einem prägendem Erlebnis werden. Die Konsequenz ist häufig eine gute Kundenbindung sowie neue Kundenkontakte. Die Bank wird zur Plattform des kulturellen Austauschs und Interaktion sowohl für Mitarbeiter, die Kunden als auch die Öffentlichkeit.