Julia, bekannt als juls eyez, macht Kunst, die auffällt. Ihre Werke sind bunt, laut und oft mit direktem Text versehen. Dabei ist ihr Weg zur Kunst weniger eine Frage von perfektem Handwerk als vielmehr eine Entdeckungsreise zum eigenen Ausdruck – von den Frankfurter Museen bis in die Kölner Kunstszene.


Die Wurzeln am Museumsufer
Julias Bezug zur Kunst wurzelt in ihrer Kindheit in Frankfurt am Main. Geprägt durch regelmäßige Besuche im Städel Museum und in den Galerien der Fahrgasse – oft in Begleitung ihrer Großtante –, entwickelte sie früh ein enges Verhältnis zur Kunstszene des Museumsufer. Obwohl Kunst in der Schule zu ihren Schwerpunkten gehörte, entsprach sie nicht dem Bild der klassischen Künstlerin, deren Fokus auf technischer Perfektion oder fotorealistischem Zeichnen liegt.
Dieser vermeintliche Widerspruch hielt sie jedoch nicht davon ab, sich an der Goethe-Universität für das Kunststudium zu bewerben. Die Aufnahme dort markierte einen Wendepunkt: Die Notwendigkeit, kontinuierlich zu produzieren, zwang sie dazu, ihren eigenen künstlerischen Ausdruck jenseits starrer Vorgaben zu definieren. Ein wichtiger Impuls kam dabei aus der Kunsttherapie. Diese Erfahrung half ihr, tradierte Vorstellungen von Ästhetik und „richtiger“ Technik abzulegen und stattdessen eine Form der Malerei zu entwickeln, die auf persönlicher Freiheit und direktem Ausdruck basiert
Der Sprung ins kalte Wasser
Ein entscheidender Impuls für ihre öffentliche Präsenz erfolgte im Jahr 2019. Im Rahmen eines Events von Entkorkte Kunst präsentierte Julia ihre Arbeiten erstmals einem fremden Publikum und stellte sich der Herausforderung, ihre künstlerische Vision persönlich zu vermitteln. Rückblickend beschreibt sie diesen Moment als Befreiungsschlag:
„Der flüssige Mut hat mir geholfen, vor den Leuten zu stehen und das zu zeigen, was ich bin und wie ich bin. Es gab keine Vorgaben und keine Erwartungen – das ist für mich immer noch ein wichtiger Bestandteil meines Prozesses.“ – Juls Eyez
Getragen von einer gewissen Unbeschwertheit und dem Gefühl, nichts zu verlieren zu haben, legte dieses Ereignis den Grundstein für ein neues Selbstbewusstsein im Umgang mit ihrer Arbeit und deren Wirkung nach außen.


Von Frankfurt nach Köln: Kunst für alle
Seit 2021 teilt sie ihre Arbeiten unter dem Namen j.ulseyez auf Instagram, wodurch die Dinge eine Eigendynamik entwickelten. Sie wurde Teil von Events, bei denen Kunst und Musik zusammenkommen, und stellte schließlich in der Frankfurter Galerie Greulich aus. Ihr Stil ist dabei unverkennbar: großformatig, lebendig und immer kombiniert mit Schrift.Oft sind es deutsche Redewendungen wie „Kommt Zeit, kommt Rat“, die sie im Alltag aufschnappt und impulsiv mit Acryl und Spraydose verarbeitet.

Heute lebt Julia in Köln und ist sich für kein Format zu fein. Sie nimmt gezielt an Veranstaltungen teil, die Kunst für alle zugänglich machen, anstatt sie nur einer Elite vorzubehalten.Dass ihre Motive dabei den Nerv der Zeit treffen, zeigen die Reaktionen ihrer Community. So kommentierte eine Influencerin unter Verweis auf Julias Werke: „Es spricht mir aus der Seele.“
Das Ziel: Raum für Interpretation
Am wohlsten fühlt sich Julia, wenn ihre Kunst für sich selbst spricht. Das schönste Lob ist für sie, wenn Betrachter vor ihren lauten, ausdrucksstarken Bildern stehen bleiben und anfangen, ihre ganz eigenen Geschichten darin zu lesen. Es ist ein privater Einblick in ihre Welt – gesehen durch ihre Augen: juls eyez.
Über die Künstlerin: Julia hat Lehramt mit Schwerpunkt Malerei an der Goethe-Universität Frankfurt studiert. In ihren abstrakten Werken verbindet sie lebendige Farben mit emotionaler Tiefe und Sprache. Mehr Informationen und aktuelle Projekte unter: www.julseyez.com





