Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem piekfeinen Restaurant an einem Freitagabend mit ihrem Date, auf das Sie sich schon seit mehreren Wochen freuen. Ein schöner, gar entzückender Abend steht Ihnen bevor, denken Sie sich.
Plötzlich hören Sie vom Nachbartisch, wie ein älteres Ehepaar gerade seinen Wein verkostet.

– „Na Schatz, wie schmeckt der Wein?“ (Weinwissen-Fakt No1: Wein fühlt man, Wein schmeckt man nicht.)
– „Mhmm…eine blumiger Duft, mit einer schmackhaften Honignote, am Gaumen eine betörende zartsüße Frucht mit einem verspielten mineralischen Abgang. Das muss ein älterer Sauvignon Blanc aus der Champagne sein!“

Ein spürbarer Druck baut sich in Ihnen auf. Sie fühlen sich wie in ihrer ersten Französischstunde: D.h. teils fehl am Platz, teils ungebildet und fragen sich: „Kann ich den Wein auch mit einer so eleganten Sprache beschreiben?“, „Wie kann ich den Wein neben „gut“ oder „schlecht“ bzw. „rot“ oder „weiß“ noch typisieren?“ Und noch viel wichtiger: „Kennt mein Date sich gut im Hoheitsgebiet des Weins aus?“ Vielerlei Fragen ploppen nach und nach in ihrem Kopf auf…und der Druck steigt.

Nun ist es soweit: Der Kellner kommt zu Ihnen an den Tisch und fragt Sie, welchen Wein Sie heute Abend gern zu sich nehmen würden, wohlwissend dass auch Ihr Date dem Gespräch des Nachbartisches gelauscht hat. Gern würden Sie mit dieser genüsslich eleganten Sprache des Herrn nebenan antworten. Schließlich möchten Sie sich vor ihrem Gegenüber nicht blamieren. Doch Sie kennen gerade einmal den Unterschied zwischen Rot-, Weiß- & Rosé-Wein und denken bei einem Sauvignon Blanc eher an eine Figur der 3 Musketiere oder einen berühmten französischen Berg in der Nähe von Lyon als an eine der bekanntesten Rebsorten der Welt.

Wer sich schon einmal in einer solchen Situation wiedergefunden hat und dies in der Zukunft tunlichst vermeiden will, für den ist die folgende Einführung in die Grundlagen des Weins genau richtig. In dieser Kolumne lernen Sie, wie Sie sich beim nächsten Weingespräch nicht komplett zum Gespött machen und tatsächlich etwas Weinkompetenz bei ihrem Gegenüber simulieren können.

In der Folgeserie werden wir Ihnen die bekanntesten Rebsorten, das richtige Wein-Vokabular, sowie die korrekte Verkostung des Weins näher bringen, um beim nächsten Restaurantbesuch auch neben ihrem Tischnachbarn glänzen zu können.

Lektion No. 1: Die Rebsorte – Solides Weinwissen für das nächste Date

Sicherlich haben Sie sich schon einmal gefragt: „Was ist eigentlich eine Rebsorte?“ Die Antwort ist tatsächlich ganz einfach: Eine Weinrebe ist eine schnellwüchsige Kletterpflanze. Nicht die, die Sie bei einer Spazierfahrt an in die Jahre gekommenen Gebäuden hochwachsen sehen, sondern die, die optimalerweise auf nährstoffarmen Böden bei unterschiedlichsten Temperaturbedingungen gedeiht.

In Europa tut sie dies vorwiegend in der kühlen Champagne (Frankreich), von Südtirol bis Sizilien (Italien) in den schwülen Anbaugebieten Spaniens oder auch nahe der Mosel sowie des Rheins (Deutschland).

Trauben, Weintrauben, Sonne, Sonnenstrahlen, Frucht

Nach Westeuropa kam die „Kletterpflanze“ vor ca. 1.500 Jahren durch die Griechen, in alle klimatisch optimalen Regionen Europas einige Jahrhunderte später durch die Römer. Weitere Rebsorten gibt es natürlich auch im Rest der Welt wie in den USA, Kanada, Australien oder auch Südafrika. Soviel nur kurz zur Definition und Geschichte der Weinrebe.
Aber viel bedeutungsvoller bei einem edlen Dinner ist natürlich die Frage: Welche Rebsorten sollte man eigentlich kennen?

Die Top 3 Rebsorten Rot & Weiß

Weltweit gibt es bis zu 2.500 anerkannte Rebsorten, aber keine Sorge: diese müssen sie nicht alle kennen (noch nicht😊). Fangen wir erst einmal ganz simpel mit der Top 3 der Rot- & Weißweine an:

Sprechen wir über Rotwein, sollte jeder schon einmal die Rebsorten Merlot, Pinot Noir & Cabernet Sauvignion gehört haben. Bei den Weißweinen sollte man bei einem Chardonnay, einem Sauvignon Blanc und natürlich dem allseits bekannten Riesling die Ohren spitzen.

Und wie unterscheiden sich diese?

Es spielen dabei gewisse Gepflogenheiten der einzelnen Gebiete eine Rolle, aber natürlich auch der Boden und das Klima. Einige Rebsorten haben ähnlichen Charakter und sind schwer zu unterscheiden. Trotz alledem besitzen die meisten von ihnen ganz typische Wesensmerkmale. Die Unterschiede sind manchmal ausgesprochen groß, manchmal entscheiden nur Nuancen. Aufgrund dessen ist es die gezielte Kombination mehrerer Aromen, die den durchschnittlichen Geschmack einer Rebsorte definieren. Schauen wir uns das bei den Rotweinen einmal näher an.

Wonach schmecken diese in der Regel?

Weinwissen
  • Merlot – nach dunklen Beeren, Pflaumen, Kirschen und Tabak.. (der Pflaumige)
  • Pinot Noir – nach roten, manchmal auch schwarzen Früchten wie Erdbeeren, Himbeeren, Weichseln, Brombeeren oder Johannisbeeren… (der Beerige)
  • Cabernet Sauvignon – typisches Aroma nach schwarzen Johannisbeeren und grüner Paprika, gelegentlich erdig und ledrig… (der Ledrige)

Sicherlich fragen Sie sich nun: „Wie schmeckt eigentlich Leder?“ Dies ist erst einmal egal. Eins ist aber klar: Sobald Sie einen Wein als „ledrig“ beschreiben können, willkommen auf Level 2 der Weinsprache (dazu mehr in Lektion 2)

Bei den Weißweinen sollte man diese 3 Rebsorten beschreiben bzw. erkennen können:

  • Chardonnay – oftmals exotische Früchte, Nussaromen, Banane, Melone…(der Exotische)
  • Sauvignon Blanc – knisternde Frische, energetischer Charakter, grüne Paprikaschoten und Fenchel…(der Energetische)
  • Riesling – ganz klares Pfirsicharoma, Steinobst, typisch fruchtige Säure, lebendig, frisch, elegant…(der Fruchtige)

Jedes Restaurant hat einen dieser Weine im Regal, egal ob Rot oder Weiß. Bestellen Sie doch beim nächsten Mal einen dieser Top 3 Rot- oder Weißweine, beispielsweise einen Riesling.
Wenn Ihr Gegenüber Sie dann fragt, wie sich der Wein fühlt (Weinwissen-Fakt No.1), entgegnen Sie doch einfach mit:

„Lebendig, frisch mit einem leichten Pfirsicharoma, am Gaumen eine typisch fruchtige Geschmacksnote mit einem eleganten steinobstlichen Abgang…und wie fühlst du ihn?“ .

Sollte Ihnen dies gelingen, sind drei Punkte sicher:
Erstens, an Ihrer Weinkompetenz wird ihr Date nicht scheitern.
Zweitens, auch der ältere Mann vom Nachbartisch wird Sie nun nicht mehr ins Schwitzen kommen lassen.
Und drittens: Willkommen auf Level 2 des 1×1 des Weins.

Erfahren Sie in der nächsten Ausgabe mehr über die elegante Weinsprache, wie sie auch Ihren Nachbartisch beindrucken können und bekommen Sie einen tieferen Einblick in die Welt der deutschen Weinsorten.