Kunst als Resultat kultureller und gesellschaftlicher Gegebenheiten

Wenn man über die Bedeutung von Kunst nachdenkt, so kommt man schnell vom hundertsten ins tausendste. Selbst bei der Betrachtung eines einzelnen Gemäldes kann einem schnell der Kopf schwirren. Vor allem, wenn man sich ein paar Stunden zu lange mit der Historie um das Bild und mit dem Künstler beschäftigt hat. Es wird immer so sein, dass einem zahlreiche Details auffallen, deren Bedeutung es zu ergründen gilt.

So weit wollen wir aber zunächst gar nicht greifen. Eine detaillierte Analyse jedes Gemäldes, Bildes, jeder Collage oder Skulptur wird wohl kaum möglich sein. Was jedoch in dieser Textreihe versucht wird zu ergründen, ist die Bedeutung von Kunst im etwas allgemeineren Sinne. Was kann Kunst für dich bedeuten? Wie kannst du sie vielleicht sogar etwas besser verstehen?

Bedeutung von Kunst
Quelle: pxhere.com

Lange Zeit haben Kunsthistoriker Kunst in einer Art Hierarchie betrachtet. Die Kunst der Antike galt lange als Die Kunst, an der sich alle anderen Strömungen und Epochen zu messen hatten. Man strebte eine Perfektion an, die nicht erreichbar ist. Man trieb die Gemälde zur Höchstform der Idealisierung. Dann aber setzte ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine allmähliche Auflösung dieses Anspruchs ein. Eine fließende Bewegung vollzog sich, die in kleinen Schritten bis in die Abstraktion gipfelte. In der Lösung von Farbe und Line vom Gegenstand.

Abstrakte Kunst ist vielleicht auf den ersten Blick nicht besonders leicht verstehbar, dennoch hat sie ihre Berechtigung und Bedeutung. Im Verlauf der Zeit setzte auch bei Kunsthistorikern ein Umdenken ein. Kunst kann man nicht unter Hierarchien stellen. Keine Epoche war besser als die andere, kein Kunstwerk, keine Stilrichtung sollte entwertet werden. Denn Kunstwerke sind die Resultate bestimmter Zweckdienlichkeiten.

Kunstwerke spiegeln kulturelle und gesellschaftliche Prozesse zu verschiedenen Zeitpunkten der Geschichte wider. Dabei bilden sie nicht nur ab. Sie treten als selbstständige Akteure, als Funktionäre auf. Kunst ist dabei eine Art der kulturellen Bewältigungsstrategie. Sie offenbart die Gedanken und Gefühle von Künstlern – offenbart sie von den Menschen, die sich mit den Prozessen ihrer Zeit auseinandersetzten und mit denen sich Menschen heute auseinandersetzen. Bei der Betrachtung von Kunst erlangt man Erkenntnisse: einerseits über historische Umwandlungsprozesse, andererseits über die Wandelbarkeit und Migration von verschiedensten Zeichen, Symbolen und Bildern.

Um Kunst zu verstehen und den der Bilder innewohnenden Sinn zu begreifen, bedarf es mehr als einen kurzen Blick auf ein Werk und auf den Namen des Künstlers im Museum. Es ist wichtig, auch schriftliche Überlieferungen oder aufgearbeitete Texte und Informationen über die Kunstwerke, die Epoche und Künstler, über die Strömung und Stilrichtung in die Betrachtung einzubeziehen. Dies ist unter anderem eine der wichtigen Aufgaben von Museen und Galerien.

Wenn man richtig viel Glück hat, lebt ein Künstler sogar noch und man kann ihn bestenfalls sogar zu seiner Kunst befragen! Diesen Vorteil bring zumeist zeitgenössische Kunst mit sich. Ich werde dir aber gleich den Wind aus den Segeln nehmen. Denn Wissen ist zwar hilfreich, um die Bedeutung von Kunst zu ergründen, aber man wird niemals ein Werk zu 100% deuten können. Man kann nur schlüssige Zusammenhänge und Analogien herstellen, wird aber nie in der Lage sein, alles zu beweisen. Zudem wird es einem einzelnen Menschen wohl kaum möglich sein, die gesamte Kunst der Welt in ihrer Gänze erfahren, kennen und verstehen zu können.

Kunst ist ein Akteur von Kulturen und Epochen. Sie ist Träger von Aussagen, Emotionen und Denkmustern. Sie ist ein Zeichen der Auseinandersetzung von Künstlern mit ihrer eigenen Lebenswelt. In diesem Sinne setzen und setzten sich Künstler mit ihrer Kultur und dem Zeitgeist auseinander. Die Kultur ist in diesem Zusammenhang als Inbegriff von Wissen, Glauben, Kunst, Moral aber auch von Gesetzen und Sitten (usw.) zu verstehen, die sich Menschen innerhalb einer Gesellschaft angeeignet haben.

Kultur drückt wie auch Kunst verschiedene Denkweisen, verschiedene Haltungen aus und ist, ebenso wie die verschiedenen Zeitabschnitte nicht hierarchisch einzuordnen. Kunst ist ein Resultat und Abbild von kulturellen und gesellschaftlichen Gegebenheiten, aber gleichzeitig zeigt sie auch menschlichen Ausdruck und teils tiefste Emotionalität.

Nicht zu vergessen, ist der dokumentarische Wert von Kunst, der Dokumentsinn. Denn dieser ist der Spiegel der Zeit und ist in der Lage die Weltanschauung jeder Epoche und jeden Ortes zu verraten. Dies gelingt durch Farben, Malweisen, Formatwahl aber auch durch das subjektive Moment, den intendierenden Ausdruck von Kunst. Natürlich auch durch die pure Tatsache, dass Kunst durch Gemälde längst vergangene Momente der Geschichtsschreibung einfangen konnte, bevor es Fotographie und Film oder Tonaufzeichnungen gab – also der buchstäbliche Dokumentsinn.

Zum Schluss dieses ersten Textes zur Bedeutung von Kunst lässt sich sagen, dass Kunst zum Reflektieren einlädt. Sie lädt ein, über Vergangenheit und Gegenwart zu sinnieren und sich Gedanken über das War und das Ist zu machen. Die Verbindung der Abbildung historischer, gesellschaftlicher und kultureller Hintergründe mit der subjektiven Betrachtungsweise eines Künstlers sind essenzieller Bestandteil.