🍇 Let’s talk WINE: PiWi-Rebsorten mit PiWi-Pionier Karl Rummel am 11. Mai um 19:00 Uhr

Poderi Fiorini über das Image von Lambrusco

Cristina Fiorini vom Weingut Poderi Fiorini stellt ihr Weingut vor und rückt den Lambrusco ins rechte Licht.
veröffentlicht am 9. Mai 2021

Häufig erntet man ein Naserümpfen, wenn man über Lambrusco spricht. Doch wie kommt das eigentlich? Wir haben uns mit einem auf Lambrusco spezialisierten Weingut aus der Region Emilia-Romagna unterhalten. Wie so oft kennen sich Locals doch immer noch am besten aus.

Ein Weingut mit über 100 Jahre Erfahrung

Etwas südlich zwischen Modena und Bologna liegt das Weingut Poderi Fiorini. Gegründet wurde es 1919 im Norden von Modena in Panzano di Carpi. Hier befindet sich auch heute noch die Vinothek des Weinguts. 2019 feierte die nun vierte Generation das 100jährige Jubiläum. Heute leiten Alberto Fiorini und seine Frau Cristina das Weingut. Alberto übernahm es von seinem Vater Giuseppe Fiorini. Auch die fünfte Generation steht schon auf den Beinen und hilft fleißig im Familienbetrieb mit.

Cristina Fiorini arbeitet bereits seit über 25 Jahren im Familienbetrieb und ist Expertin, wenn es um die heimischen Weine geht. Ganz besonders am Herzen liegt ihr der so oft missverstandene Lambrusco.

Im Jahr 2011 zog das Weingut Poderi Fiorini nach Savignano. Dort befindet sich der Großteil der heutigen Weinberge. Die damit verbundene Erweiterung von über 10 Hektar Rebfläche und einem Weinkeller von über 1.000 Quadratmeter war ein wichtiger Schritt und eine große Investition für die Familie. Damit wurde der Grundstein für die Zukunft gelegt. Die Wurzeln des Weinguts verbleiben allerdings weiterhin mit 5 Hektar Rebfläche in der Heimat im Norden von Modena. Hier wird weiter ganz traditionell der Lambrusco di Sorbara hergestellt.

Heute bewirtschaften die beiden mit der Hilfe von drei Angestellten Rebflächen auf unterschiedlichem Terroir. Das Besondere daran ist, dass Poderi Fiorini in allen drei wichtigen Anbaugebieten Lambrusco herstellt. Dazu zählen Lambrusco di Sorbara, Lambrusco Grasparossa di Castelvetro und Lambrusco Salamino di Santa Croce.

In der Nähe der Weinberge steht auch das Wahrzeichen bzw. die Visitenkarte des Hauses – der Torre dei Nanni. Ein Symbol, das auch für die Vermarktung der Weine eingesetzt wird. Es spiegelt die Tradition des Weinguts wider. Die Beständigkeit des Turms ist eine Eigenschaft, welche sich auch an der Philosophie des Weinguts zeigt. Cristina und Alberto setzen gemeinsam auf mehr Qualität, Sorgfalt und Nachhaltigkeit. So kam es auch, dass sich beide vor drei Jahren entschlossen, das Weingut auf ökologischen umzustellen, so dass der Wein nun bio-zertifiziert ist.

Rebfläche von Poderi Fiorini

Qualitativ hochwertiger Lambrusco

Auch wenn sich Alberto und Cristina dafür entschieden, weitere Rebsorten wie Merlot oder Cabernet Sauvignon anzubauen, liegt der Fokus weiterhin auf Lambrusco. Gemäß dem Motto ‚Schuster bleib bei deinen Leisten‘ geht es darum, die Tradition zu bewahren. Die Familie verbindet ihre eigene Herkunft mit der des Lambrusco. Denn für den traditionellen Lambrusco setzt Poderi Fiorini auf die Rebsorte Lambrusco di Sorbara. Sehr trocken, höherer Säureanteil und dafür etwas weniger Alkohol – so muss ein guter Lambrusco schmecken. So fließt die Geschichte und die Erfahrung des Weinguts in die Weine.

Das komplette Gegenteil von: süß, fruchtig und klebrig

Den schlechten Ruf hat sich der Lambrusco durch die Massenproduktion von günstigem Wein mit einer hohen Restsüße verdient. Ähnlich wie beim Dornfelder in Deutschland lag der Fokus beim Lambrusco in Norditalien ebenfalls auf dem Exportmarkt für Fassweine. Möglichst günstig und viel. Eigentlich sehr schade für eine Rebsorte, deren Geschichte bis in die römische Antike zurück geht.

„Wir stehen vor einer großen Herausforderung, das Image des Lambrusco wieder ins rechte Licht zu rücken. Statt der zuckrigen Süße zeichnet einen guten Lambrusco aus, dass er trocken ist und eine dezente Säure aufweist.“

Cristina Fiorini

Heute versuchen viele Winzer aus der Region Emilia-Romagna diesen langjährigen Trend rückgängig zu machen. Keine leichtes Unterfangen, wenn man überlegt, dass noch immer viel auf Masse produziert wird. Umso bemerkenswerter ist es, dass sich das Weingut Poderi Fiorini der Qualität und der Nachhaltigkeit verschreibt. Somit wird der Turm Torre dei Nanni vielleicht zum symbolischen Leuchtturm, der auch anderen Weingütern aus der Region Mut macht, sich dem Preiskampf zu stellen und auf Qualität statt Quantität zu setzen.

Dass dieses Vorhaben gelingen kann, zeigen Cristina und Alberto Fiorini. Sie erhielten von Wine Spectator 90 Punkte für ihren Lambrusco. Des Weiteren werden die Weine und Schaumweine bereits in verschiedene Länder exportiert. Zu den Abnehmern von Poderi Fiorini zählen mittlerweile Länder wie Frankreich, Belgien, Schweden, Japan, Südkorea, Kanada oder die USA. Mit einem stolzen Lächeln betont Cristina Fiorini: „Wir liefern unsere Organic Weine sogar nach Bordeaux!“.

ÜBER DEN AUTOR


Marius Greb
Marius Greb
Geschäftsführer von Art & Wine Magazine - Nach einigen Jahren im Finanzwesen wechselte Marius Greb die Branche und befasst sich heute mit Kunst und Wein. Vor dem Start von Art & Wine Magazine startete er Entkorkte Kunst - eine Kombination aus Wein- und Malabenden.

Weitere interessante Artikel für Sie.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.