Natascha Popp über Investitionen in Weinprojekte

Natascha Popp über Investitionen in Weingüter, Beratung und die Vermarktung von Winzern aus Deutschland.
veröffentlicht am 18. September 2021

Ein Weinberg ist auf mindestens 30 Jahre angelegt. Daher sollte die Entscheidung, welche Rebsorte gepflanzt wird, wohl überlegt sein. Das Prinzip der Langfristigkeit gilt auch bei der Investition in ein Weingut oder bei der Nachfolge eines Familienbetriebs. Natascha Popp ist Expertin auf diesem Gebiet und berät Winzer, Weingut-Inhaber und Investoren.

Wie entstand die Idee, die weinräte zu gründen?

Ich bin selbst Quereinsteigerin und komme eigentlich aus der Hotellerie bzw. der Unternehmensberatung. Damals habe ich mein altes Leben hinter mir gelassen, um mir eventuell selbst ein Weingut zu kaufen. Dazu habe ich in verschiedenen Weingütern Praktika gemacht und an der Hochschule Geisenheim Weinbau studiert. Ich habe mich also intensiv mit der Materie auseinandergesetzt.

Und das war auch gut so, denn während dieser Zeit habe ich gemerkt, dass ich das Thema Wein spannend finde, aber doch eher die Betriebswirtin bin und keine Önologin. Durch meine Abschlussarbeit über die Kapitaldienstfähigkeit von Weingütern habe ich Kontakt zu Beratern bekommen. So hat sich dann die Idee entwickelt, meine Erfahrungen der letzten Jahre mit anderen Quereinsteigern zu teilen und sie bei ihrem Weg in die Weinbranche zu begleiten.

Was muss man bei der Investition in Weingüter beachten?

Unsere klassischen Weingüter in Deutschland sind sehr kapitalintensiv und schwierig, über klassische Hausbanken zu finanzieren. D.h. man braucht viel Eigenkapital für den Einstieg und einen langen Atem. Denn die Kapitaldienstfähigkeit ist gerade in den ersten Jahren sehr dünn und kann auch nur mit einem schlauen Geschäftsmodell langfristig rentabel werden. Hier braucht es unbedingt Beratung von erfahrenen Experten, damit das klappt. Auf der anderen Seite sind gerade die hohen Sachwerte bei Weingütern (Weinberge und Immobilien) eher wertstabil gewesen – was für manche Investoren wichtiger ist als eine Rendite.

Welche spannenden Investitionsprojekte sind dabei?

Es gibt in der Weinbranche nicht viel typische Investitionsprojekte, wie man es aus anderen Branchen kennt. Als Investor hat man grundsätzlich entweder die Möglichkeit, sich bei einem Winzer direkt zu beteiligen oder sich selbst ein ganzes Weingut zu kaufen. Bei beiden Varianten braucht es aber in jedem Fall fundierte weinbauliche und weinwirtschaftliche Grundkenntnisse, sonst kommt es bald zu einem bösen Erwachen. Da gibt es leider viele Negativbeispiele von verunglückten Investments und verstrittenen Winzer/Investoren, die einmal sehr romantisch angefangen haben, aber dann von der harten Realität eingeholt wurden.

Daher haben wir letztes Jahr die Weinschwärmer gegründet. Das ist eine Art Jungwinzerfonds in KG-Form, der sich an talentierten Newcomern der Branche beteiligt. Betreut wird der Fonds durch die weinräte als erfahrene Wein-Unternehmensberater und Mittler zwischen den Welten. Denn wir sprechen sowohl die Sprache der Winzer als auch die der Investoren.

Wir investieren aber nicht nur in Weingüter, wir unterstützen auch junge Talente durch andere Projekte auf ihrem Weg in die Weinbranche. Das tun wir beispielsweise mit Deutschlands erster Talentschmiede für Jungwinzer, VinVenture Abenteuer Wein. Als Teil des Clubs dahinter kann man die Stars von morgen kennenlernen, mit ihnen regelmäßig ihre Weine verkosten und sie gleichzeitig supporten. Das alles gibt es online und vor Ort, also immer mittendrin und das für 15EUR im Monat. Den berühmten Blick hinter die Kulissen gibt es obendrauf, denn viele neugierige Weinliebhaber da draußen wollen Wein jenseits der Weinbergromantik kennenlernen. Ein tolles Projekt um das zu tun.

Um was kümmern sich die weinräte noch?

Unser Kern-Beratungsgeschäft ist die Begleitung von familieninternen Nachfolgen bei Weingütern. Neben der Übergabe von einem Lebenswerk und dem Familienvermögen kommen hier noch die typischen Generationenkonflikte dazu. Also alles hoch emotionale Themen. Da hilft es allen Beteiligten, wenn sie einen neutralen und erfahrenen Moderator und Coach haben, der den Prozess unterstützt, denn ein Familienunternehmen übergibt man in der Regel ja nur einmal, so dass es für alle immer das erste Mal ist.

Natascha Popp im Weinberg
Natascha Popp im Weinberg

Wo geht die Reise hin? 

Bei den weinräten werden wir uns zukünftig mehr auf Beratung von Winzern und Quereinsteigern fokussieren und unser Herzensthema, die Unterstützung der jungen deutschen Weinszene.

Eine schöne Anekdote

Christian Bernhardt aus Ellerstadt. Diesen Jungwinzer habe ich vor einigen Jahren bei der Hofübergabe begleitet. Damals war es noch ein reines Nebenerwerbs-Weingut und Christian war bei einem großen Weinbetrieb angestellt. Sein Traum war es, das Weingut neu aufzustellen, seine eignen Weine zu kreieren und nicht nur die Trauben zu verkaufen. Ich habe ihm damals geholfen, sein Businesskonzept zu entwickeln, die Bankfinanzierung zu bekommen und seinen Platz in der Weinwelt zu finden. Mittlerweile ist er bei VinVenture ein begehrter Winzer mit außergewöhnlichen Weinen und Ideen, der zielstrebig seinen Weg geht.

Bicking, Pieroth, Bernhardt, Benz – VinVenture Winzer

Art & Wine Magazine: Vielen Dank für das Interview!

Wir sind gespannt und freuen uns bereits jetzt schon auf viele weitere Projekte mit Natascha Popp und den VinVenture Winzern. Mehr darüber findet man auf vinventure.de.

Wer daran interessiert ist, direkt in ein Weingut zu investieren, sollte sich gut beraten lassen. Natascha Popp begleitet sowohl Investoren als auch Winzer beim Kauf- und Verkaufsprozess und kennt damit jegliche Fallstricke. Die weinräte helfen gerne weiter.

ÜBER DEN AUTOR


Marius Greb
Marius Greb
Geschäftsführer von Art & Wine Magazine - Nach einigen Jahren im Finanzwesen wechselte Marius Greb die Branche und befasst sich heute mit Kunst und Wein. Vor dem Start von Art & Wine Magazine startete er Entkorkte Kunst - eine Kombination aus Wein- und Malabenden.

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