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Julia Seyffardt meistert die Nachfolge

Das traditionsreiche Weingut Diefenhardt aus dem Rheingau macht vor, wie man den Familienbetrieb erfolgreich weitergibt. Mit Julia Seyffardt tritt nun die f├╝nfte Generation die Nachfolge des Weinguts an.
ver├Âffentlicht am 27. Juli 2021
Diefenhardt Weinberg

Das traditionsreiche Weingut Diefenhardt aus dem Rheingau macht vor, wie man den Familienbetrieb erfolgreich weitergibt. Mit Julia Seyffardt tritt nun die f├╝nfte Generation die Nachfolge des Weinguts an. Es ist ein laufender Prozess voller Herausforderungen und Chancen. Julia ist Jungwinzerin und steht mit Leidenschaft hinter ihrem Riesling und Sp├Ątburgunder. Art & Wine wollte wissen, wie das Erfolgsrezept aussieht und war vor Ort.

Jungwinzerin Julia Seyffardt

Vom Baron zum Familienbetrieb

Seit 1917 betreibt die Familie aus dem Rheingau Weinbau und einen Gutsausschank. Jakob Diefenhardt ├╝bernahm vom Baron von Reichenau den Weinberg und das traditionsreiche Haus, welches fr├╝her noch als „Hotel Diana“ gef├╝hrt wurde. Jakob plante, das Weingut seinem Sohn Ludwig zu vermachen. Nachdem dieser jedoch verstarb und auch Jakob kurz darauf , ├╝bernahmen es die drei hinterbliebenen T├Âchter mit der tatkr├Ąftigen Hilfe eines Kellermeisters.

Schlie├člich f├╝hrte Hans-Herrmann Seyffardt, Enkel von Jakob Diefenhardt, den Weingutsbetrieb in Martinsthal fort. Das denkmalgesch├╝tzte Haus wurde zur Heimat seiner Familie mit vier Kindern. Das ehemalige Esszimmer wurde im alten Stil des Hauses erhalten, so dass man sich regelrecht auf Zeitreise begibt, wenn man den Raum betritt. Hier werden auch heute noch im kleineren Kreise Weine verkostet.

Der Weinkeller stammt aus dem 17. Jahrhundert und bietet hervorragende klimatische Bedingungen f├╝r die Lagerung der Flaschen und F├Ąsser. Bei gr├Â├čeren Gruppen ist es auch m├Âglich, die Weinproben unterirdisch zu halten.

Ebenfalls der Gutsausschank bietet ein sch├Ânes Ambiente durch die urigen Wandmalereien und der holzvert├Ąfelten W├Ąnde.

Ein Vollzeitjob

Das Thema Nachfolge ist f├╝r viele Winzer ein echtes Problem. Nachdem Julias ├Ąltere Schwester die Nachfolge ablehnte, wusste Julia, dass sie ebenfalls bald vor der Entscheidung steht. Auf die Frage, ob ein gewisser Druck bestand, antwortete sie gelassen: „Es gab keinen Druck – weder von den Eltern noch von meiner Schwester.“ Das war ein gutes Gef├╝hl, welches Julia dazu bewegte, aus freien St├╝cken die Chance zu ergreifen.

Schon in fr├╝hen Jahren hat Julia Seyffardt im Ausschank oder auf dem Weinberg geholfen. Die obligatorische Weinlese stand nat├╝rlich immer an im Herbst. Um herauszufinden, ob der Beruf Winzer etwas f├╝r sie ist, absolvierte Julia ein Praktikum nebenan im Kloster Eberbach und h├Ąngte ein halbes Jahr in S├╝dafrika dran, um dort bei einem befreundeten Weingut zu helfen.

Diese Schritte ebneten ihren Weg zur Hochschule Geisenheim University, wo sie Weinbau und ├ľnologie studierte. Im Rahmen des Studiums konnte Julia noch ein berufspraktisches Semester in Burgund/Frankreich absolvieren, wo sie bereits ihr Erlerntes tatkr├Ąftig in der Heimat anwenden konnte. Die Entscheidung, Winzerin zu werden, war somit ein gut ├╝berlegter Prozess. Heute wei├č sie genau, was es bedeutet, Winzerin zu sein.

Julia Seyffardt und Peter Seyffardt
Peter und Julia Seyffardt

„Ich bin froh dar├╝ber, dass ich mir die Arbeit mit meinem Vater und meiner Mutter teilen kann“, sagt Julia in entspannter Manier. Ihre Vater ist oft im Weinberg und k├╝mmert sich bspw. um die Spritzpl├Ąne. Die Mutter k├╝mmert sich um die Vinothek und die wundersch├Ânen Blumen im Hof. Allein daf├╝r lohnt sich schon der Besuch nach Martinsthal. Die Arbeitsteilung bietet Julia die Chance, dass Sie sich um das k├╝mmert, was ihr Freude bereitet. Aktuell arbeitet sie an der Vermarktung, dem Design, Messeauftritte, Events und im Keller. Auch die Modernisierung steht auf dem Plan. Allerdings befindet sich das Weingut auf einem aktuell sehr guten Stand, so dass hier kein Renovierungsstau bestand.

Wenn es um die Verschnitte geht, probieren gerne alle. Es ist und bleibt ein Gemeinschaftsprojekt.

Im Gespr├Ąch mit Julia Seyffardt h├Ârt man schnell ihre Leidenschaft f├╝r ihren Beruf heraus. Vor allem wenn es um ihre Lieblinge geht – Riesling und Sp├Ątburgunder.

„Rheingau Riesling ist etwas besonderes“

Die Frage, ob die Jungwinzerin auf Grund des Klimawandels oder aus Eigeninteresse neue Rebsorten pflanzt, verneinte sie l├Ąssig aber bestimmt. „Wenn das Klima weiter w├Ąrmer wird, werden wir uns weinbaulich darauf einstellen – sei es ├╝ber eine Bew├Ąsserung oder ein besseres Laubwand-Management.“ F├╝r Julia ist der Riesling eine Tradition und Spezialit├Ąt des Rheingaus. „Es ist eine Nische, eine gute Nische.“ Nat├╝rlich k├Ânnte die Jungwinzerin sich auch vorstellen, auf einer Nebenparzelle mal neue Reben auszuprobieren, beispielsweise einen Wei├čburgunder als Randsortiment f├╝r die Kundschaft. Der Fokus ist und bleibt allerdings beim Riesling und Sp├Ątburgunder.

„Dem Preiskampf standhalten“

Deutschland arbeitet massiv an seinem internationalen Wein-Image. Namen wir Dornfelder, Wei├čburgunder und Riesling klingen nicht so melodisch wie Cabernet Savignon oder Blanc de Noir. Daher ist es umso wichtiger, dass man sich gut positioniert. Durch die kleinstrukturierte Verteilung der Winzer in Deutschland, ist es nicht ganz einfach, ein gemeinsames Image nach Au├čen hin zu tragen. Das Deutsche Weininstitut leistet in diesem Bereich schon viel arbeit. Wichtig ist auch, dass die Wertsch├Ątzung f├╝r die Flaschenweine steigt.

Hoffnung gibt hier eine neue Generation an Winzern, die sich weg von Fassweinen, hin zu innovativen Flaschenweinen orientiert. Jungwinzer schlie├čen sich h├Ąufig zusammen, um gemeinsam Neues auszuprobieren und Erfahrungen zu teilen. Das gelingt nicht nur im Rheingau, sondern auch im sch├Ânen Rheinhessen.

Wichtig dabei ist vor allem, dass man sich dem Preiskampf nicht machtlos hingibt. Wenn die Flasche f├╝r 2 Euro den Besitzer wechselt, schadet das dem ganzen Gesch├Ąft. Standhaftigkeit zahlt sich am Ende aus. Denn die Qualit├Ąt der Weine in Deutschland stimmt. Es gilt sich dementsprechend zu vermarkten. Hier hilft es nat├╝rlich, wenn man den VDP-Adler auf dem Wein stehen hat und als Verband auftreten kann. Sonst kann es passieren, dass man bei Messen wie der „Pro Wein“ schnell mal untergeht in der Deutschland Halle.

Wein muss Spa├č machen

„Ein guter Wein muss Spa├č machen und schmecken. Nat├╝rlich kommt es immer auf die Situation drauf an. Das sch├Âne am Riesling und Sp├Ątburgunder ist, dass sie ganz individuell ihre Herkunft im Geschmack wunderbar widerspiegeln.“ Wer elegante und filigrane Weine gerne trinkt, wird im Onlineshop vom Weingut Diefenhardt definitiv f├╝ndig. Gerade der Riesling Kabinett trocken passt bei hei├čen Sommertagen hervorragend.

Das Weingut Diefenhardt in Martinsthal ist definitiv ein Besuch wert, wenn man mal wieder im sch├Ânen Rheingau ist. Wir danken Julia Seyffardt herzlich f├╝r die Einblicke ins Weingut.

├ťBER DEN AUTOR


Marius Greb
Marius Greb
Gesch├Ąftsf├╝hrer von Art & Wine Magazine - Nach einigen Jahren im Finanzwesen wechselte Marius Greb die Branche und befasst sich heute mit Kunst und Wein. Vor dem Start von Art & Wine Magazine startete er Entkorkte Kunst - eine Kombination aus Wein- und Malabenden.

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