In Hessen kennt ihn jeder. Außerhalb von Hessen ist er meist nur unter dem Namen Cidre bekannt. Doch schon seit über 250 Jahren gilt der Apfelwein als das Frankfurter Nationalgetränk. Im Volksmund wird er auch Ebbelwoi, Äppler, Schoppe oder Stöffche genannt.

Wie kam es zum Apfelwein?

Bereits vor den Römern haben die Germanen Birnen und Äpfel zu Wein verarbeitet. Die erste schriftliche Überlieferung der Römer datiert auf das erste Jahrhundert n. Christus zurück. Darin steht, dass in Trier verschiedene Apfelsorten genutzt wurden, um Wein aus Äpfeln herzustellen. Mit der Kultivierung der Römer wurden die heimischen Obstsorten verdrängt. Es wurden verschiedene Obstsorten eingeführt und für die Weinproduktion wurde wieder auf die Trauben gesetzt.

Um 800 nach Christus hat sich auch Karl der Große den Apfelwein schmecken lassen. Ein Gedicht nennt ihn sogar den Erfinder des Apfelweins:

„Den Reichsappel in der Hand
Floh Kaiser Karl zum Mainesstrand.
Un hat, da er sehr abgehetzt,
sich uff den Appel da gesetzt.
Nadierlich aanzig aus Verseh,
denn so e Sitz is grad net schee.
Uff aamal awwer spiert er was
Un greift danach uni s ganz nass
Un luscht dann draa: Uij! Schmeckt des fei
Un kreischt dann: „ Des is Äppelwei!
Gottlob, jetzt hat der Dorscht e End,
gleich morje nemm ich e Padent!“


300 Jahre später haben die Spanier in Nordspanien den Apfelwein gekeltert und ihn Cidre benannt. Erst im 16. Jahrhundert kam der Apfelwein nach Hessen. So wurde 1638 eine Reinhaltungsbestimmung erklärt, die immer noch von den heutigen Apfelweinkeltereien befolgt wird. 100 Jahre Später wurde die offizielle Schankerlaubnis dann auch besteuert. Die Durchsetzung des Getränks dauerte allerdings noch, da der Wein aus Trauben den Markt noch immer bestimmte.

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Im 15. Jahrhundert kam es zur kleinen Eiszeit. Durch die klimatische Veränderung kam es zu einigen Missernten, die zur Folge hatten, dass der Anbau von Reben gerade in und um Frankfurt herum rückläufig war. Hinzu kam ein Ungeziefer, das im 19. Jahrhundert aus Nordamerika eingeschleppt wurde. Die Reblaus entpuppte sich als heimlicher Helfer des Apfelweins. Denn sie fraß sich in den 1860er Jahren durch die restlichen Reben, so dass man im Obstanbau wieder vermehrt auf die robusteren Äpfel- und Birnenbäume setzte. Seit dem

Die Herstellung

Die Qualität der Äpfel ist es, die einen guten Apfelwein ausmacht – und die richtige Herstellung: Je nach Gärungszeit entstehen verschiedene Arten des Apfelweins. Auch die Trübe ist davon abhängig, wie lange er ruht und ob er mit Schönungsmitteln behandelt wurde. Nicht jeder Apfel eignet sich zum Keltern des flüssigen Golds. Wichtig ist, auf den nötigen Säure- und Zuckergehalt zu achten – wie beim Traubenwein.

Grundsätzlich werden verschiedene Apfelsorten, die sich im Geschmack optimal ergänzen, miteinander gemischt. Nach der Ernte und dem Aussortieren von guten und angefaulten Äpfeln, werden die guten in eine Apfelmühle gebracht, wo sie zu einer grobkörnigen Maische zermahlen werden. Diese Fließt in vollautomatische Mostpressen, aus denen dann schäumend der frisch gekelterte Apfelmost heraus läuft.

Im Anschluss geht es direkt in die Tanks oder die Holzfässer, um hier auf traditionelle Weise zum köstlichen „Stöffche“ zu reifen. Im Verlaufe des rund vierwöchigen Gärprozesses, bei dem der im Apfel enthaltene Fruchtzucker von der fruchteigenen oder der hinzu gegebenen Hefe in Alkohol und Kohlensäure umgewandelt wird, verändert sich der Most ständig.
Nach ein bis zwei Wochen entsteht erst der so genannte „Rauscher“, der dem Federweißen beim Wein gleich kommt. Nun wird der angehende Apfelwein immer klarer und muss von der Hefe gezogen werden. Nach der Hauptgärung setzt sich die Hefe am Tankboden ab und darüber der trübe Apfelwein. Anschließend wird das Stöffche entweder als „naturtrüb“ direkt abgefüllt oder erst von allen Heferesten und Trübstoffen befreit, um dann rein und klar in die Flaschen zu laufen.

Der Bembel und das Gerippte

Serviert wird der Apfelwein in einem Bembel, einem grauen Steinkrug mit blauen Muster. Das Wort Bembel ist nicht eindeutig geklärt. Wahrscheinlich kommt es vom „Bambeln“ bzw. baumeln, da der Krug am Henkel aufgehängt wurde. Getrunken wird der Apfelwein aus einem Gerippten, einem Glas mit Rautenmuster. Dieses Glas ist auch bekannt unter dem Namen Schoppenglas, wobei das Wort Schoppen auf ein Hohlmaß zurückzuführen ist, welches für das Volumen einer Füllmenge genutzt wurde. Die Vokabeln Bembel, Schoppen und Geripptes sollte man allerdings kennen, wenn man sich in Hessen befindet. Bestellt wird der Bembel nach verschiedenen Größen, die die Anzahl der Gläser betrifft – bspw. 4er, 6er, 8er,… 20er.


Der Wein

Durch seinen recht niedrigen Alkoholgehalt von circa 5,5 Prozent ist der Apfelwein sehr bekömmlich und ihm wird sogar nachgesagt, gut für die Verdauung zu sein, den Blutdruck zu senken und den Stoffwechsel anzuregen.

Zugegebenermaßen ist er nicht jedermanns Geschmack und für den ein oder anderen gewöhnungsbedürftig. Im Vergleich zu einem Apfel Cidre, ist der Apfelwein nicht süß, sondern eher herb und sauer. Ein echter Apfelweingenießer trinkt ihn pur oder als „Gespritzen“, das heißt einen mit Mineralwasser verdünnten Apfelwein. Dieser eignet sich besonders gut für Einsteiger. Für wahre Kenner unzumutbar ist ein „Süßgespritzer“, bei dem der Apfelwein mit Limonade gemischt wird.
Apfelwein all year around – daher darf er natürlich auch nicht zur Winterzeit mit Zimt, Zucker und Zitronensaft als „Heißer Äppler“ auf dem Weihnachtsmarkt fehlen. Ein guter Ersatz zum klassischen Glühwein.

Die Hessen lieben ihr Allwunderheilmittel so sehr, dass es jedes Jahr auch eigene Festivals gibt, die dem Getränk gewidmet sind.

Weitere Informationen zum Apfelwein und deren Keltereien findet man auf www.apfelwein.de