Man schaut gern durch die große Glasscheibe des kleinen Ateliers im Norden Frankfurts. Farbenfrohe Bilder von Menschen mit ausdrucksstarken Gesichtern begrüßen einen. Daneben ein abstraktes Kunstwerk und eine Mini-Galerie. Wer und was steckt dahinter?

Polnische Wurzeln

1956 Ewa Stefanski ist sechs Jahre alt und wusste schon als kleines Kind, dass Sie die Malerei liebt. Doch auch die Zahlen liegen ihr, weshalb Ewa Mathematik studieren wollte, sich dann aber doch von ihrem Vater zur Ökonomiestudium überreden ließ. Leider lag der Fokus der Wirtschaftswissenschaft in den 70ern in Polen einzig und allein auf dem Sozialismus. Daher dauerte es ca. ein Jahr, bis Ewa sich dazu entschloss, der Kunst treu zu bleiben. 1976 absolvierte sie ihr M.A. in Grafikdesign und Malerei an der staatlichen Kunsthochschule in Posen.

Bevor es 1981 zu kriegsähnlichen Zuständen in Polen kam, machte Ewa sich mit ihrem Mann und ihrer Tochter auf den Weg nach Deutschland. Dort angekommen arbeitete sie in einem kleinen Atelier in einem Turmzimmer. Als ihre zweite Tochter auf dem Weg war, wusste sie, dass sie in Königstein angekommen ist und bleiben wollte. Seit 1992 unterrichtet Ewa als Kursleiterin verschiedene Altersgruppen in Kunstmalerei.

Ich male am liebsten Menschen.

www.ewastefanski.de

Warum steht die Menschlichkeit im Fokus?

Die Inspiration ihrer Kunst liegt beim Menschen. Freunde, Bekannte oder manchmal auch Unbekannte Personen hinterlassen bei ihr einen Eindruck, den sie über die Leinwand gekonnt mit kräftigen Farben wiedergibt. Es geht nicht nur darum, den Moment zu erfassen, sondern hinter das Gesicht der Person zu schauen, um die Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Was geht in den Menschen vor? Welche Sorgen oder Freuden beschäftigen die Person? Häufig erscheint die Person auf der Leinwand in Begleitung weiterer Personen. Die Kunstwerke regen zum Diskurs an.

Keine Frage – Ewa Stefanski ist eine begabte Malerin und kann neben den Menschen und Gesichtern auch Abstrakte Kunst hervorbringen. Auch wenn ihre Portraits ebenfalls sehr ausdrucksstark sind, mag sie es lieber, frei zu malen ohne Zeitdruck, ohne Erwartungen, ohne Auftrag.

Die Künstlerische Freiheit liegt ihr am Herzen. Daher besucht sie viele verschiedene Ausstellungen, geht ins Theater und Museen. Der Austausch mit anderen Künstler wirkt befruchtend. Vor allem der Austausch mit Gerhard Richter hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Männer trauen sich nicht – Frauen sind da mutiger.

2005 arbeitete Ewa als Kunsttherapeutin in der onkologischen Abteilung des St. Vincenz Krankenhaus in Mainz. Sie schätzte die Begegnungen mit den Menschen sehr. In verschiedenen Gruppen lernte sie dabei interessante Persönlichkeiten kennen, die noch heute engen Kontakt pflegen. Ewa malte mit den Teilnehmern und gab Ihnen durch die Wahl des Motivs und mit der Farbwahl die Möglichkeit, sich in diesen schwierigen Zeiten zu äußern. Begleitet wurde das langjährige Projekt durch die professionelle Unterstützung von Psychologen. Die Teilnehmer waren hauptsächlich Frauen. Das lag daran, dass sich Frauen eher getraut haben, über ihre Gefühle zu sprechen. Männer waren da etwas zurückhaltender.

Ewas Kunst wird seit mehreren Jahren in verschiedenen einzel und Gruppenaustellungen ausgestellt. Häufiger findet man ihre Kunstwerke in Frankfurt, Königstein, Bad Homburg, Bad Soden oder Wiesbaden wieder. In Wiesbaden stellt Pokusa Kunst von Künstlern mit polnischen Wurzeln aus. Hier ist Ewa ebenfalls regelmäßig anzutreffen.

Ewa ist es wichtig, die Freiheit der Kunst zu bewahren. Das ist als Künstlerin nicht immer ganz einfach und schon schon etwas verloren gehen, wenn man nicht aufpasst. Das geht manchmal auch mit einer Entscheidung einher, die sich gegen die Kommerzialisierung der Kunst wendet: „Ich sollte zehn mal das gleiche Bild malen, um alle Werke so verkaufen zu können.“ Davon sieht Ewa Stefanski ab.

Ewas Kunst beeinflusst auch ihre 4-jährige Enkelin, die sich als wahre Künstlerin beweist und bereits ihre erste Mini-Ausstellung im Atelier genießt.

Die Mini-Ausstellung

Weitere Informationen über Ewa Stefanski findet man auf ihrer Internetseite www.ewastefanski.de