Was sagt der Profi? Pia Sophie Ottes zu den Werken

Pia Sophie Ottes ist als Galerie Managerin in Venedig eine absolute Expertin, wenn es um das Thema Kunst geht. Sie bewertet laufend die interessantesten Werke der öffentlichen EntkorkteKunst-Abende. EntkorkteKunst kombiniert Malabende mit Wine-Tastings und sorgt so für die nötige Kreativität beim Malen. Die Teilnehmer der Abende sind meist keine professionellen Künstler. Im Gegenteil – viele hatten das letzte mal den Pinsel im Kunstunterricht in der Hand. Umso spannender ist es, wenn es heißt: Professional meets Amateur-Artist. Hier die besten Meisterwerke der bisherigen Events mit Rezension.

 


Toskana

Das Werk lässt auf eine Inspiration von Van Gogh schließen, auch wen hier der Pointilismus nicht angewendet wird. Die Farbwahl, die Form der gleißenden Sonne sowie das Platzieren von Zypressen lassen auf einen heißen Sommernachmittag in der Toskana schließen. Die helle Landschaft im Hintergrund verleiht dem Werk Weite und Tiefe, während die Perspektive am unteren Ende des Werkes den Betrachter mit in das Werk holt und auf einem Wegrand platziert. 


Zitronen Stillleben

Dieses Gemälde zeigt die naturgetreue Abbildung von Zitrusfrüchten auf verwaschenem blauen Untergrund. Ein angedeuteter Schatten am äußeren Rand der Früchte lässt sie plastisch und real wirken. Einzig die aufgeschnittene Zitrone ist perspektivisch nicht korrekt dargestellt. Der Künstler hat die Farbe in strich-artiger Bewegung aufgetragen, was dem Werk Lebendigkeit und Bewegung verleiht. Mit diesen frischen Farben ist das Werk ist ein schönes Dekorationsobjekt für jedes zuhause. 


Das Blaue

Das Werk zeigt eine abstrakte Komposition, die an blaue Werke von Ives Klein oder eine Detailaufnahme von Monet’s Seerosenteich erinnert. Das Blaue lässt dem Betrachter die Freiheit, sich darunter den Himmel, die Luft, das Wasser vorzustellen und symbolisiert damit unendliche Weite, Sehnsucht und Phantasie. Es ist außerdem nachgewiesen, dass die Farbe Blau entspannend wirkt und das Denken fördert. 


Schneidersitz

Eine Frau, dessen Identität nicht bekannt gegeben wird, indem ihr Kopf nicht gemalt wurde, sitzt im Schneidersitz auf einer Grünfläche. Die Position, welche die Frau einnimmt, erinnert sehr an die Darstellung der Frauen in Scherenschnitten und Aktgemälden von Henri Matisse. Durch das Auftragen der Farbe in einer pointilistisch-artigen Technik entsteht eine sehr plastische Darstellung, welche die Farbwahl eines kräftigen Oranges unterstreicht.


Die Frau mit den drei Gesichtern

Luft, Erde, Ozean. Die Dreifaltigkeit. Trinität. Alle guten Dinge sind… – Dieses Werk beschäftigt sich mit der Zahl Drei und dessen Bedeutung. Die Künstlerin stellt eine Person mit drei Gesichtern dar, welche in unterschiedliche Richtungen blicken. Es ist unklar, ob dies drei verschiedene Personen sind oder ob die Künstlerin hiermit eine Teilung der Persönlichkeit und Charakterzüge aufzeigen möchte. Der Orange-Schwarz-gefleckte Schatten, der auf zwei der Gesichter fällt, könnte einen Bezug zum Leoparden darstellen und damit auf die „wilde“ Natur der Person zurückzuführen sein.


See-Stern

Unter Verwendung von verwässerten Farben malt der Künstler mit schwungvollen Pinselstrichen einen Seestern umrundet von blauen Akzenten. Auch wenn der Künstler einen Großteil der Leinwand weiß belässt, ist das Werk sehr ausdrucksstark. Es ist nicht nur ein schönes Dekorationsobjekt, sondern erinnert auch an Arbeiten auf Papier von Mario Schifano oder Illustrationen des Designers Stig Lindberg.


Schwarzwald

Für die Darstellung dieses dunklen Waldes wurde ausschließlich die Farbe Schwarz verwendet. Das Auge des Betrachters wird von einem spiegelnden Wasserstrom in ein tiefes schwarzes Nichts geleitet.
Dieses Werk ist ein Schatten- und Lichtspiel, was den Betrachter anregt sich zu fragen, was wohl hinter dem dichten Gestrüpp liegt, wo wohl das Licht herkommt, dass durch die dunkeln Äste blitzt. Man möchte aus dem Albtraum erwachen und endlich wieder Farbe sehen.  


Die Venus

Durch die Verwendung von Weiß auf Blau, ist es als sieht man weibliche Silhouetten auf Wolken tanzen. Diese Studie der weiblichen Formen zeigt eine Frau am vorderen rechten Bildrand, die sich scheinbar vor dem Betrachter rekelt und sich dann zum hinteren Bildrand von ihm entfernt, um ihm letztlich nur ihre wunderschön geformte Rückenansicht zu zeigen. Dabei sind die weiblichen Rundungen und fließenden Bewegungen sehr genau studiert und anschaulich dargestellt.


Shades of Grey

Dieses Werk ist in zwei Perspektiven unterteilt: Im rechten Vordergrund sieht man ein männliches Aktmodell, das mit Schwarz- und Grau-Tönen dargestellt wird und daher eher wie eine Kohlezeichnung als eine Acrylmalerei wirkt. Die linke Seite des Werkes zeigt eine Frauenfigur, die sich hinter einer Leinwand versteckt und unverkennbar von den maskulinen Formen des Mannes angetan ist. Die Frau ist jedoch räumlich entfernter und fast comic-artig gemalt. Die verschiedenen Maltechniken, die thematisch eine Relation zum Subjekt des Werkes aufweisen, wecken das Interesse des Betrachters.


Das Abstrakte

Umso länger man dieses Werk betrachtet, umso mehr kann man erkennen: Das Gesicht eines Mannes in der oberen mittleren Hälfte des Bildes, eine in schwarz gekleidete Frau, die ihn zu seiner Linken beobachtet, eine Straßenlaterne, die gleißendes Licht auf eine beregnete Straße wirft… oder einfach ein abstraktes Gemälde, dass mit Farben, Formen, Schatten und Licht spielt. Das Werk erinnert entfernt an eine frühe kubistische Phase von George Braque und lässt dem Betrachter viel Spielraum in der Deutung des Werkes.


Der Träumer

Dieses Werk zeigt einen Mann mit geschlossenen Augen umrundet von bunten Bändern, die sich in alle Richtungen winden. Der Hals des Mannes wirkt proportional zu lang, wie als sei er losgelöst vom Körper und gehalten und getragen nur durch die Farben, die Gedanken, die Träume.
Durch die ausschließliche Verwendung von Blau und Weiß, erzielt der Künstler eine sehr plastische Darstellung des Mannes. Die Komposition erinnert sehr an das Werk Le Rêve (Der Traum) von Picasso, welches die schlafende Marie-Thérèse Walter in einer sehr ähnlichen Position und Farbkomposition zeigt. Die Technik ist jedoch eher der (italienischen) Pop-Art zuzuschreiben, an welcher sich Maler wie beispielsweise Mario Schifano bedienten.